Was ist ein Zeitzeugengespräch?

Zeitzeugengespräche stellen eine einzigartige Quelle der Geschichtswissenschaft dar. Sie unterscheiden sich von anderen Quellen, indem sie individuelle, persönliche Einblicke in die Erfahrungen von Menschen ermöglichen. Zeitzeugengespräche erlauben den Interviewer:innen, gezielt Fragen zu stellen und auf die Antworten direkt zu reagieren. Sie ermöglichen außerdem den Zeitzeug:innen, ihre Erlebnisse, Gefühle und Gedanken und ihre Interpretation und Wahrnehmung vergangener Ereignisse mitzuteilen. Der subjektive Charakter von Zeitzeugengesprächen und Interviews soll an dieser Stelle noch einmal hervorgehoben werden. 

Ziel dieses Beitrags ist also, den Menschen eine Stimme zu verleihen, die aufgrund systematischer und gesellschaftlicher Diskriminierung in der Papenhütte ihr Zuhause gefunden haben und denen oftmals keine Stimme gegeben wurde.

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Website des Osnabrücker Sinti-Kulturvereins Maro Dromm - Sui Generis e.V.

Um ein möglichst entspanntes und lockeres Gesprächsklima auch während der Pandemie zu ermöglichen, wurde das Gespräch mit dem ersten Vorsitzenden des Osnabrücker Sinti-Kulturvereins Maro Dromm - Sui Generis, Mario Franz, am 19.07.2021 via Videokonferenz geführt. Dieser hatte sich dazu bereit erklärt, Fragen zum Thema „Leben in der Papenhütte“ und „Ausgrenzung und Diskriminierung“ beantworten und einen offenen Diskurs mit der Arbeitsgruppe zu führen.

Die im folgenden wiedergegebenen Fragen wurden von Simon Hellbaum gestellt. Das Gespräch wurde außerdem von Prof. Dr. Christoph Rass organisiert, begleitet und geleitet. Ausschnitte aus dem dreistündigen Gespräch werden im Folgenden auf die wichtisten Punkte komprimiert wiedergegeben. Der Fokus liegt dabei auf dem Aspekt, die sich durch andere Quellenarten oft kaum rekonstruieren lässt: die Perspektive eines Betroffenen von und auf Ausgrenzung und Diskriminierung.