Ausländermeldekartei
Im Zeitraum von etwa 1930 bis 1980 legte die Stadt Osnabrück die sogenannte 'Ausländermeldekartei' (kurz: AMK) an, in der sie neben den Informationen zum Zuzug und Aufenthalt auch systematisch personenbezogene Daten wie Name, Beruf, Geburtsort und -datum, Familienstand und Angehörige, Religion und Wohnort detailliert protokollierte. Heutzutage befindet sich die Großkartei im Bestand der Abteilung Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs.
Auf insgesamt 56.613 Karteikarten wurden die Informationen von mehr als 70.000 Menschen festgehalten, davon allein über 39.000 Karten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Diese Informationen wurden für das Forschungsprojekt der Abteilung Neuste Geschichte und Historische Migrationsforschung (NGHM) am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück durch den Einsatz von KI-Anwendungen digitalisiert und in einer relationalen Datenbank zusammengeführt.
Diese Daten wurden von der Forschungsgruppe anschließend analysiert, um die Mobilität zugeozogener Menschen innerhalb Osnabrücks und die damit auftretenden Veränderungen zu modellieren. Dies geschah mithilfe von Geoinformationssystemen und historischen Quellen zu Migration, Integration und gesellschaftlichem Wandel innerhalb Osnabrücks.1
In den folgenden Ausstellungsmodulen soll neben dem Sozialprofil der Lohstraße auch auf die Migration und Fluktuation innerhalb bestimmter Hotspots hingewiesen werden. Einzelschicksale haben auf Grundlage von Interviews mit Zeitzeug:innen ebenfalls Einzug in die Ausstellung gefunden. Die so gewonnen Daten wurden mithilfe der Geoinformationssoftware Neatline in digitale Karten eingearbeitet.
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Vgl. Bondzio et al.: Die Osnabrücker Ausländermeldekartei 1930–1980. Potenziale als Quelle der Stadt- und Migrationsgeschichte, in: Osnabrücker Mitteilungen 126 (2021), S. 137–193.↩
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Inhaltlich verantwortlich: Paul Sander, Marcel Skupin, Diana Pletner
[1] Vgl. Bondzio et al.: Die Osnabrücker Ausländermeldekartei 1930–1980. Potenziale als Quelle der Stadt- und Migrationsgeschichte, in: Osnabrücker Mitteilungen 126 (2021), S. 137–193.↩

