Gestapokartei

Karteikarte Heinrich van der Veen, (Gestapo-Kartei Osnabrück)

Karteikarte zu Heinrich van der Veen.
Im oberen Teil der Karteikarte lassen sich die personenbezogenen Daten zu Heinrich van der Veen finden. Unter dem Punkt 'Sachverhalt' ist verzeichnet, dass van der Veen "sich einem Deutschen gegenüber in abfälliger Weise über die Zustände in Deutschland geäußert" habe. Dies führte zu einer Verwarnung durch die Gestapo.
Quelle: NLA OS, Rep 439, Nr. 44052.

Ihren Ursprung nahm die Gestapo-Kartei bereits im Jahr 1928. Die damals neu eingeführte Personen- und Vorgangskartei der Politischen Polizei Preußens diente dem Vermerk und der Sicherung personenbezogener Informationen. Diese beinhalteten unter anderem Name, Beruf, Adresse und Glaubenszugehörigkeit. Eben jene Kartei wurde von der Gestapo im Jahre 1933 übernommen und weitergeführt. Nur wenige Gestapo-Karteien haben das Kriegsende 1945 unversehrt überstanden. Die Osnabrücker Kartei ist eine von ihnen. Sie ist im Bestand des Niedersächsischen Landesarchives, Abteilung Osnabrück.

Während die Politische Polizei Preußens zwar die Extreme des politischen Spektrums hinreichend überwachte, hielt sie ein Einschreiten nur bei Straftaten für nötig. Die Geheime Staatspolizei, die "Weltanschauungsexekutive"1 des NS-Regimes, hatte hingegen eine wesentlich niedrigere Hemmschwelle und ging offensiv gegen unliebsames Verhalten vor. "Als das NS-Regime zusammenbrach, hinterließ die Gestapo eine Kartei, in der sie über zwölf Jahre akribisch aufgezeichnet hatte, was für sie bei der Überwachung und Durchherrschung der deutschen Gesellschaft relevant geworden war."2 Da die Osnabrücker Gestapo-Kartei nahezu vollständig erhalten geblieben ist, lassen sich hier auf insgesamt 48.767 Karteikarten Informationen zu 48.015 Personen finden. 

Aufgrund des hohen Aufwands wurden die Gestapo-Karteien von der Forschung bisher nur unzureichend systematisch ausgewertet. Die Digitalisierung der Osnabrücker Gestapo-Kartei erlaubt nun jedoch "die Praktiken der Überwachung, der Repression sowie der Datifizierung von Gesellschaft"3 zu erforschen. Die so erzielten Ergebnisse könnten unter Rückgriff auf die ausführlicheren Personalakten der Polizei ausgeweitet werden.

  1. Bondzio, Sebastian/ Rass, Christoph: Allmächtig, allwissend und allgegenwärtig? Die Osnabrücker Gestapo-Kartei als Massendatenspeicher und Weltmodell, in: Osnabrücker Mitteilungen. Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück (Historischer Verein), 124. 2019, S. 223–260, hier S. 228.

  2. Ebd.

  3. Ebd.

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Inhaltlich verantwortlich: Marlene Schurig

[1] Bondzio, Sebastian/ Rass, Christoph: Allmächtig, allwissend und allgegenwärtig? Die Osnabrücker Gestapo-Kartei als Massendatenspeicher und Weltmodell, in: Osnabrücker Mitteilungen. Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück (Historischer Verein), 124. 2019, S. 223–260, hier S. 228.

[2] Ebd.

[3] Ebd.