Mobilitäts- und Fluktationsbewegungen
Die folgende Karte wurde mittels der Online-GIS-Software 'Mango' entwickelt. Sie visualisiert die Wohnadressen von (Arbeits-)Migrant:innen in der Osnbarücker Lohstraße für den Zeitraums 1930 bis 1980. Grundlage bildet ein aktuelles Satellitenbild der Lohstraße. Als Besucher der Ausstellung haben Sie die Möglichkeit, durch Scrollen und Anklicken der Karte nähere Informationen zu den einzelnen Häusern und ihren Bewohner:innen zu erlangen. Auffällig sind dabei einzelne 'Hotspots', also Adressen in der Lohstraße, in denen im Vergleich zu anderen Wohnungen besonders häufig Personen mit einem Vermerk in der Ausländermeldekartei lebten. Diese 'Hotspots' werden aufgrund der hohen Falldichte in der Karte durch ihre Größe hervorgehoben.
Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, Einstellungen der Karte zu verändern, um interessengeleitet mit den enthaltenen Informationen zu arbeiten. So lassen sich die Daten beispielsweise auch in tabellarischer Form abrufen.
Das Balkendiagramm bildet die Verweildauer der Migrant:innen ab und erlaubt damit Rückschlüsse auf die hohe Mobilität innerhalb der Lohstraße. Bitte achten Sie auf den Maßstab und die Beschriftung der Achsen, da diese zwecks Bildgröße nicht einheitlich bleiben konnten.
Auffällig sind vor allem zwei Zeitschnitte, in denen starke Migrationsbewegungen verzeichnet werden können: So sticht besonders das Jahr 1941 hervor, in welchem die zwangsweise Umsiedlung von Zwangsarbeiter:innen zur Stützung der NS-Kriegswirtschaft einen ersten Höhepunkt erreichte. Die meisten dieser Arbeiter:innen verließen die Lohstraße bis zum Jahr 1946 wieder.
Der zweite signifikante Zeitschnitt begann Anfang/Mitte der 1960er-Jahre, in welchem die Arbeitsmigration durch die Anwerbeverträge von der Bundesregierung gezielt provoziert wurde. Viele Menschen aus den Ländern Südeuropas kamen in die Lohstraße. Bis 1973 aufgrund der öknomischen Rezession ein Anwerbestopp verhängt worden ist, lässt sich ein rasantes Ansteigen der Fallzahlen beobachten. Es ist daher naheliegend anzunehmen, dass es sich bei den eingewanderten Personen nach 1973 vorwiegend um Familienangehörige der Arbeitsmigrant:innen handelte. Auffällig ist, dass kaum eine Person länger als bis 1977 in der Lohstraße wohnen blieb.
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Inhaltlich verantwortlich: Paul Sander, Marcel Skupin, Diana Pletner
