Kriegsfreiwillige

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Kriegsfreiwillige auf dem Schlossplatz in Osnabrück 1914. Quelle: Niedersächsisches NLA OS, Dep 3b III, Nr. 588, Aufnahme 53.

Mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien setzte sich eine komplexe Verkettung von Bündnisverpflichtungen und Kriegserklärungen in Gang. Für das Deutsche Reich bedeutete dies ab dem 01. August 1914 der Beginn eines offenen Landkriegs. Neben der Mobilisierung des stehenden Heeres sollte auch eine beträchtliche Anzahl an Kriegsfreiwilligen den Dienst an der Waffe verrichten. Die große Zahl an Freiwilligen sollte nicht zuletzt durch großangelegte propagandistische Beeinflussung überzeugt werden. Die Beeinflussung fand nicht nur über entsprechende Aufrufe in den Medien statt, sondern vor allem auch in der Schule, da ein Großteil der zu mobilisierenden Zielgruppe hier anzutreffen war. Dies galt insbesondere für Gymnasiasten der Oberstufe. Die zuständigen Aufsichtsbehörden instruierten die Schulen, das Kriegsgeschehen in ein positives Licht zu rücken. Häufig bedurfte es jedoch keiner ministeriellen Anweisung, da die Lehrkräfte dieser in der Regel aus eigener Überzeugung ohnehin zuvorkamen. Sie waren häufig die treibende Kraft, um die Schüler zu einem verkürzten Kriegsabitur zu bewegen. Um kontinuierliche Jahrgangsnachschübe im Sinne eines positiven Kriegsbildes zu beeinflussen, wurden entsprechende Themen in allen möglichen Unterrichtseinheiten eingebaut. Die Schule sollte aber nicht nur die Kinder und Jugendlichen direkt ansprechen, sondern auch als Medium dienen, um die Elternschaft zu erreichen und diese für etwaige kriegsunterstützende Maßnahmen zu gewinnen, etwa Kleiderspenden oder dem Kauf von Kriegsanleihen. Betrachtet man die Motivation, aus welcher sich junge Menschen für einen Kriegsdienst entschieden, lässt sich festhalten, dass neben der  Überzeugung das Vaterland zu verteidigen auch der Ausblick auf eine Art Abenteuer und das Ausbrechen aus gesellschaftlichen Zwängen motivierend wirkten. Mit Ausnahme der Landbevölkerung scheint diese Motivation unter allen Gesellschaftschichten und über Geschlechtergrenzen hinweg beobachtbar. Trotz all der Indoktrinationsversuche ebbte die Kriegsbegeisterung unter den sich abzeichnenden Entbehrungen der weiteren Kriegsjahre jedoch ab.1 

Auch für Osnabrück ist eine große Anzahl Kriegsfreiwilliger zu verzeichnen. An dieser Stelle sei auf die ausführliche Ausstellung von 2014 verwiesen. Exemplarisch anführen lässt sich die Kriegsbegeisterung im ersten Kriegsjahr, etwa unter den Schülern des Ratsgymnasiums, von denen sich ganze Jahrgänge geschlossen zum Kriegsdienst meldeten. Das Beispiel Alfred Stocks zeigt, dass nicht nur Gymnasiast:innen von dieser Kriegsbegeisterung ergriffen wurden, sondern auch Auszubildende.

Einige der Osnabrücker Freiwilligen sendeten Feldpostbriefe in die Heimat, in der sie über ihre Eindrücke, Gefühle, Hoffnungen und Wünsche schrieben. Aus diesen lässt sich ableiten, dass je nach Einsatzbereich ganz unterschiedliche Voraussetzungen, Ereignisse und Eindrücke verarbeiten mussren. Generalisierbare Topoi sind beschwichtigende Worte an Freunde und Verwandte in der Heimat, manchmal aber auch Sorgen, Wünsche und Nöte. 

  1. Vgl. Kruse, Wolfgang: Der Erste Weltkrieg. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2014; Watson, Alex: 'For Kaiser and Reich'. The Identity and Fate of the German Volunteers 1914–1918, in: War in History, 12. 2005, H. 1, S. 44–74.

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Feldpostbrief des Kriegsfreiwilligen Fricke
Quelle: NLA OS, Dep 3b III, Nr. 598.

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Inhaltlich verantwortlich: Florian Gießler

[1] Vgl. Kruse, Wolfgang: Der Erste Weltkrieg. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2014; Watson, Alex: 'For Kaiser and Reich'. The Identity and Fate of the German Volunteers 1914–1918, in: War in History, 12. 2005, H. 1, S. 44–74.