Die Geheime Staatspolizei in der Lohstraße
Die 76 erhaltenen und im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Osnabrück, aufbewahrten Karteikarten der Osnabrücker Gestapo-Kartei über Bewohner:innen der Lohstraße geben Einblick in die Arbeit der in Osnabrück ansässigen Abteilung und verschaffen einen Eindruck über die Bemühungen zur vollständigen staatlichen Überwachung der Bevölkerung.
Auf der nachstehenden, interaktiven Karte finden sich alle aus den Gestapo-Karteikarten hervorgehenden Personen, die vom NS-Staatsschutz in der Lohstraße erfasst bzw. überwacht wurden. Die Daten wurden mithilfe von Geolokalisierung auf die hinterlegten Hausnummern gematcht, wodurch eine präzise Person-Adresse-Zuordnung ermöglich wird.
Mit einem Klick auf die farbigen Punkte lassen sich alle vorhandenen Informationen über die jeweiligen Personen abrufen.
Am Beispiel der Lohstraße lässt sich sehr gut extrahieren, wie detailliert und umfangreich die Gestapo auch in zunächst unscheinbaren Straßen arbeitete. Aus den uns vorliegenden Karteikarten lassen sich im Hinblick auf die Kategorien Geschlecht, Altersgruppe, politische Einstellung, soziale Schicht und Wirtschaftssektor folgende Verteilungen darstellen:
Demnach waren rund 87% der von der Gestapo Osnabrück in der Lohstraße erfassten Personen männlich und lediglich 7 der insgesamt 76 Karteikarten (9,21%) für eine Bewohnerin der Lohstraße angelegt worden. Bei den restlichen drei Karteikarten war kein Geschlecht hinterlegt und aufgrund abgekürzter Vornamen keine eindeutige Geschlechterzuordnung möglich.
Die Altersstruktur der erfassten Personen hält die Waage, wonach etwa ein Drittel auf jede der drei gewählten Altersgruppen entfällt. Demnach sticht keine besonders anvisierte Altersgruppe in der Lohstraße hervor, Alter war für die Gestapo in ihren Überwachungspraktiken also kein determinierender Faktor.
Bei der politischen Orientierung, der von der Gestapo beobachteten Bewohner:innen der Lohstraße, liegen bei einem Großteil (60,53%) leider keine Angaben vor. Bei denjenigen Personen, die von der Gestapo auf dem politischen Spektrum eingeordnet worden sind, entfällt der Großteil auf Kommunist:innen (32,89%), gefolgt von Mitgliedern der SPD (3,94%) und als 'marxistisch' kategorisierten Personen (1,32%).
Bei der Untersuchung der Sozialschichtung bestätigen sich die Tendenzen aus früheren Ausstellungsepisoden (Eine Straße im Krieg), wonach überwiegend Personen aus der Unterschicht in der Lohstraße wohnten (67,11%). Aus der Mittelschicht wurden 12 Personen (15,79%) von der Gestapo beobachtet und lediglich eine der erfassten Personen, Abel Cohen (Wirtschaftsberater mit der Befähigung zum Richteramt), entstammte aus der Oberschicht (1,32%).
Anknüpfend an die soziale Schicht bestätigt auch die Analyse der Wirtschaftssektoren die Annahme, dass die Lohstraße primär von 'einfachen' Bürger:innen bewohnt wurde (siehe auch Berufsgruppen Lohstraße). 47 der erfassten Personen (61,84%) arbeiteten im sekundären Sektor, also in der Industrie und im Handwerk. Bei einem Dienstleistungsunternehmen (tertiärer Sektor) waren 13 Personen beschäftigt (17,11%) und nur 4 im Informationswesen (quartärer Sektor).
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Inhaltlich verantwortlich: Florian von der Haar




