Karl August Langschmidt
Im Sommer 1914, inmitten der allgemeinen Kriegsbegeisterung, zog der 24-jährige Karl August Langschmidt aus der Osnabrücker Lohstraße in den Krieg. Bereits in den ersten Augusttagen verließ er seine Heimatstadt – vermutlich unter dem Jubel der Bevölkerung, getragen von der Aufbruchsstimmung jener Zeit.

Karl August Langschmidt, Informationen zur Aufbewahrung der Fotos 1914.
Quelle: NLA OS, Dep 3 b II, Nr. 625/3, Aufnahme 356.

Melderegistereintrag Karl August Langschmidts
Quelle: NLA OS, Dep 3 b 18, Nr. 192.
Karl August war der zweite Sohn des Schlachtermeisters Karl Friedrich Langschmidt und einer von acht Geschwistern, mit denen er in der Lohstraße 49 aufwuchs. Das Haus befand sich im Besitz seiner Familie und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts über Jahrzehnte mit mehreren Generationen bewohnt. In dem ärmlichen Arbeiter:innenviertel, in dem sich die Lohstraße befand, zählte die Familie mit dem im eigenen Besitz befindlichen Haus zu den bessergestellten Bewohner:innen.
Karl erlernte zunächst den Beruf seines Vaters, bevor es ihn zuerst nach Rheine und dann nach Bremen zog. 1907 kehrte er in sein Elternhaus zurück, ehe er im Herbst 1908 dem Militär in Osnabrück beitrat.
Im August 1914 zog er schließlich mit dem Feldartillerie-Regiment 62 aus seiner Geburtsstadt aus in den Krieg. Auf dem Weg zum Bahnhof durchquerte er die Straßen seiner Kindheit ein letztes Mal. Das Regiment, in dem er als Gefreiter diente, kam im Rahmen der 19. Division an der Westfront zum Einsatz. Bei der für ihn verhängnisvollen Schlacht bei St. Quentin trafen die deutsche und die französische Armee zwischen dem 28. und 30. August aufeinander. Am 29. August erreichte die 19. Division südlich von Guise den Ort Audigny und schaffte es nur mit Mühe das Dorf Jonqueuse zu sichern.
In der Schlacht bei St. Quentin am selben Tag wurde Karl August schwer verletzt und in das Lazarett Guise gebracht. Eine Woche später, am 05. September 1914, erlag er seinen Verletzungen. Der genaue Ort seiner letzten Ruhestätte ist unbekannt, doch vermutlich wurde er auf dem Soldatenfriedhof Flavigny-le-Petit in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Von den 911 dort bestatteten Gefallenen sind nur 16 namentlich bekannt.1
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Vgl. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.: Frankreich. Flavigny-le-Petit, in: Voklsbund Kriegsgräberstätten, URL: https://kriegsgraeberstaetten.volksbund.de/friedhof/flavigny-le-petit (abgerufen am: 05.03.2023).↩
Am 05. November 1914, also zwei Monate später, erreichte die Nachricht über Karl Augusts Tod seine Familie in Osnabrück. Mit dem Eintrag in der hiesigen Gefallenenkartei schloss sich die Akte Karl August Langschmidt, für seine Familie begann jedoch, wie für viele Hinterbliebene, eine Zeit der Trauer.
Karl August betrat 1914 getragen von Begeisterung und Hochmut das Schlachtfeld und verstarb nur wenige Wochen später, zu einem Zeitpunkt als auch in seiner Heimatstadt Ernüchterung einkehrte. Die zuvor erlebte Euphorie war weder für die Familie von Karl August noch für die Bevölkerung Osnabrücks von Dauer.
Was von ihm blieb und als Zeugnis seiner Zeit und des Sterbens im Krieg betrachtet werden kann, ist sein Eintrag in der Gefallenenkartei; ein Name neben denen von vielen weiteren jungen Männern, die in den Kriegsjahren täglich nidergeschrieben wurden. Neben der Kartei finden sich im Osnabrücker Standort des Niedersächsischen Landesarchivs auch Fotografien, die Langschmidt zeigen. Diese geben dem heutigen Betrachter ein Gesicht zu der Geschichte eines Namens – einer von vielen, eingebettet zwischen zahllosen Schicksalen, die sich bei einem Blick in die Gefallenenkartei offenbaren können.
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Inhaltlich verantwortlich: Verena Wichmann
[1] Vgl. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.: Frankreich. Flavigny-le-Petit, in: Voklsbund Kriegsgräberstätten, URL: https://kriegsgraeberstaetten.volksbund.de/friedhof/flavigny-le-petit (abgerufen am: 05.03.2023).↩

