Panorama des Todes - Die Fälle aus der Lohstraße
Die Lohstraße: Vor dem 01. August 1914 war sie eine eher unscheinbare Straße am Rande der Altstadt, geprägt von der Arbeiter:innenschicht. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 veränderte sich das Leben der Bewohner:innen schlagartig. Männer wurden eingezogen oder meldeten sich freiwillig zur Front, während ihre Angehörigen in Sorge zurückblieben und zunehmend unter den Einschränkungen des Krieges litten. Auch der Tod machte vor der Lohstraße nicht halt. Auf den folgenden Seiten soll ein Eindruck davon vermittelt werden, welche Auswirkungen der Erste Weltkrieg auf die Bewohner:innen und das Leben in der Lohstraße hatte.
Anhand ausgewählter Biografien von Gefallenen der Lohstraße wird das Leben einberufener Osnabrücker von der Geburt bis zum Tod im Ersten Weltkrieg nachgezeichnet: Wie war die Lohstraße durch den Krieg betroffen? Was bewegte Kriegsfreiwillige dazu, sich zur Front zu melden? Wie veränderte das Erlebte die Menschen, welche Rolle spielten Traumata? Was bedeutete der Tod für die Angehörigen? Welchen Unterschied machte ein früher und später Tod im Krieg? Diese Fragen werden im Folgenden erörtert.
Folgende Biografien wurden hierfür ausgewählt:
Alfred Stock
Der Kaufmannslehrling Alfred Stock, geboren am 16. November 1898 in Osnabrück, lebte mit seinen Eltern und fünf Geschwistern in der dortigen Lohstraße, bevor er mit lediglich 16 Jahren freiwillig in den Ersten Weltkrieg zog. Er leistete Dienst an der Waffe im Infanterie-Regiment 78. Am 10. Mai 1915 ließ er sein Leben in Tułkowicze (Polen) auf dem Felde (siehe hier).
Karl August Langschmidt
Der gelernte Schlachter Karl August Langschmidt wurde am 12. November 1889 geboren und wuchs mit seinen sieben Geschwistern in der Lohstraße 49 auf. Mit 24 Jahren zog er bereits im Sommer 1914 in den Krieg und fiel diesem nur wenige Wochen später zum Opfer. Das Haus in der Lohstraße war im Familienbesitz und auch noch Jahre nach dem Tod von Karl August lebten seine Eltern sowie seine Geschwister mit ihren Familien dort. Den frühen Verlust eines Sohnes und Bruders teilte die Familie Langschmidt mit vielen weiteren Osnabrücker:innen, die nach anfänglicher Hochstimmung erschüttert zurückblieben. (siehe hier)
Kurt Papritz
Der Hoboist Kurt Papritz wurde am 12. Juli 1887 in Berlin geboren und lebte gemeinsam mit seiner Frau Else in der Lohstraße 59. Während des Kriegs war er Vizefeldwebel im Infanterie-Regiment 78. Kurt Papritz überlebte den Krieg und kehrte zu seiner Frau zurück. Er erschoss sich jedoch knapp zwei Wochen nach Kriegsende (siehe hier).
Wilhelm Langschmidt
Der Handlungsgehilfe Wilhelm Langschmidt wurde am 26. April 1899 geboren und am 15. Februar 1918 zum Militär eingezogen. Er kämpfte als Angehöriger des Niedersächsischen Fußartillerie Regiment 10 in der Champagne und galt dort seit dem 25. Oktober 1918 vermisst. Erst 1923 wurde sein Tod offiziell bestätigt (siehe hier).
Diese Fallbeispiele beleuchten nicht nur die individuellen Schicksale der Gefallenen, sondern dienen anschließend auch als Beispiele für allgemeine Phänomene des Ersten Weltkriegs, nämlich für Kriegsfreiwillige (Kriegsfreiwillige), Kriegstraumata (Kriegstraumata) sowie für frühes und spätes Sterben im Krieg (Früher Tod und Später Tod).
_________________________________________________________________
Inhaltlich verantwortlich: Nils Drochner