Osnabrück im Nationalsozialismus

Zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft zählte Osnabrück beinahe 95.000 Einwohner:innen. 1939 wurde die Schwelle von 100.000 Einwohner:innen überschritten und die Stadt an der Hase galt so statistisch als eine der Großstädte des NS-Reiches. Im Vergleich zu anderen Großstädten im Nordwesten ist Osnabrück als eher klein einzuordnen.1 Eine Besonderheit der Stadt war der hohe Anteil der "Industrie an der wirtschaftlichen Gesamtleistung bzw. am Beschäftigungsvolumen"2 . Dieses wurde durch die vorteilhafte Lage der Stadt sowie ihre Infrastruktur, im Besonderen das Eisenbahnkreuz, begünstigt. Schwerpunkt der Industrie war die Metallverarbeitung, wie zum Beispiel in der Eisengießerei Stüve, dem Kupfer- und Drahtwerk und dem Osnabrücker Stahlwerk.3 

    1. Vgl. Steinwascher, Gerd: Osnabrück im Nationalsozialismus oder das nationalsozialistische Osnabrück. Eine Einführung, in: Thorsten Heese (Hrsg.): Topografien des Terrors. Nationalsozialismus in Osnabrück (Osnabrücker Kulturdenkmäler. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Osnabrück 16), Bramsche: Rasch 2015, S. 14–43, hier S. 28f.

    2. Ebd., S. 26.

    3. Vgl. ebd.

    Machtantritt der Nationalsozialist:innen in Osnabrück

    Wenngleich Osnabrück nicht als frühe Hochburg der Nationalsozialisten zu betrachten ist, setzte sich das Regime ohne Probleme durch und war 1933 bereits etabliert.4 Die Stadt wurde als Teil des Regierungsbezirks Osnabrück der Gauleitung Weser-Ems unterstellt, dessen Leitung in Oldenburg saß. Unter der Gauleitung stand die Kreisleitung Osnabrück-Stadt, die wiederum in 12 Ortsgruppen unterteilt war. Zuständig für die Altstadt, in welcher auch die Lohstraße liegt, war Erwin Kolkmeyer.5 In diesem Zuge setzte die Gleichschaltung in Osnabrück ein, welche auch die Polizei betraf.

    Die Gestapo wurde am 26. April 1933 von Ministerpräsident Hermann Göring eingerichtet. Das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin war ein Zentralinstrument mit Außenstellen und sollte für die 'Sicherheit des Staates' sorgen, wobei man vor allem gegen politische Gegner:innen vorgehen wollte. Grundlage dafür war die Politische Polizei, die bereits in der Weimarer Republik bestand. Die Gestapo war unmittelbar an der Terrorpolitik der Nationalsozialist:innen beteiligt und bekamen neben der exekutiven Polizeigewalt nach und nach mehr Befugnisse bzw. entzog sich immer mehr der staatlichen Kontrolle.6 Verfolgt wurden Personen, die politischen Widerstand leisteten sowie all diejenigen, die nicht zur 'Volksgemeinschaft' zählten. Das waren vor allem kommunistische, sozialdemokratische, sowie jüdische Frauen und Männer, Angehörige von Religionsgemeinschaften wie den Zeugen Jehovas, Homosexuelle, sogenannte 'Asoziale', Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen und Ausländer:innen. Im Krieg beteiligte sich die Gestapo an den Besatzungspolizeien und sie erhielten die Kontrolle über Arbeitserziehungslager. Die Bestrafungen an ausländischen Arbeitskräften wurden von der SS und Gestapo danach schrittweise erweitert, sodass diese ab März 1940 auch in die Konzentrationslager transportiert werden konnten.7 

    1. Vgl. ebd., S. 24f.

    2. Vgl. Steinwascher, Gerd: Die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. In: Gerd Steinwascher (Hrsg.): Geschichte der Stadt Osnabrück, Belm: Meinders & Elstermann 2006, S. 641–766, hier S. 732.

    3. Vgl. Weitkamp, Sebastian: Zentrale des Terrors. Die Gestapo Osnabrück 1933–45, in: Thorsten Heese (Hrsg.): Topografien des Terrors. Nationalsozialismus in Osnabrück (Osnabrücker Kulturdenkmäler. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Osnabrück 16), Bramsche: Rasch 2015, 2. Auflage, S. 90–105, hier S. 91ff.

    4. Vgl. Gander, Michael: Polizeigewalt und Zwangsarbeit. Eine gedenkstättenverbindende Dauerausstellung, in: GedenkstättenRundbrief, 199. 2020, H. 9, S. 3–15, hier S. 8–11.

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    Zwangsarbeiter des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck beim Trümmerräumen in Osnabrück (Fotografie 1944/1945)

    Urheber: Medienzentrum Osnabrück
    Quelle: Gander, Michael: Lagerwesen und Zwangsarbeit in Osnabrück. Ein Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges, in: Thorsten Heese (Hrsg.): Topografien des Terrors. Nationalsozialismus in Osnabrück (Osnabrücker Kulturdenkmäler. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Osnabrück, Bd. 16.), Bramsche: Rasch Verlag 2015, S. 324–355, hier S. 331.

    Osnabrück und die Lohstraße im Zweiten Weltkrieg

    Der Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 beeinträchtige das Leben der Osnabrücker Gesellschaft zunächst kaum. Die Versorgungslage war anfänglich relativ sicher und das kulturelle Angebot war vielfältig. Letzteres war von großer Bedeutung für die Moralerhaltung. Daher gab es während des gesamten Krieges Bemühungen, die Kulturangebote aufrechtzuerhalten. Spätestens ab 1942 beeinflusste der Krieg den Alltag der Osnabrücker:innen aber in erheblichem Maße.8 Dies lag vor allem in der kriegswirtschaftlichen Relevanz der Hasestadt mit ihrer Schwerindustrie und ihrer infrastrukturell günstigen Lage begründet. Osnabrück wurde so immer häufiger Ziel von Luftangriffen der Alliierten. Zum Schutz der Bevölkerung wurden daher an vielen Orten in der Stadt Luftschutzbunker gebaut, darunter der in der Nähe der Lohstraße befindliche Lohbunker.9 Die Stadt erlitt infolge der Angriffe erhebliche Schäden, welche besonders die Altstadt, und somit auch die Lohstraße, betrafen.10 Um die Trümmer zu beseitigen, wurden vielfach Zwangsarbeiter:innen eingesetzt, von denen einige in dem von der Osnabrücker Gestapo errichteten Lager Ohrbeck interniert waren.11 

    1. Vgl. Steinwascher, Zeit 2006, S. 753f.

    2. Vgl. ebd., S. 758f.

    3. Vgl. Rickling, Matthias: Der Tag, an dem Osnabrück unterging. 13. September 1944, Gudensberg-Gleichen: Wartberg 2004, S. 36f.

    4. Vgl. Steinwascher, Zeit 2006, S. 759.

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    Inhaltlich verantwortlich: Lena Gienke, Maximilian Kahle

    [1] Vgl. Hennies, Lukas/ Huhn, Sebastian/ Rass, Christoph: Gewaltinduzierte Mobilität und ihre Folgen. 'Displaced Persons' in Osnabrück und die Flüchtlingskrise nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Osnabrücker Mitteilungen 123 (2018), S. 183–231, hier S. 185.

    [2] Ebd., S. 26.

    [3] Vgl. ebd.

    [4] Vgl. ebd., S. 24f.

    [5] Vgl. Steinwascher, Gerd: Die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. In: Gerd Steinwascher (Hrsg.): Geschichte der Stadt Osnabrück, Belm: Meinders & Elstermann 2006, S. 641–766, hier S. 732.

    [6] Vgl. Weitkamp, Sebastian: Zentrale des Terrors. Die Gestapo Osnabrück 1933–45, in: Thorsten Heese (Hrsg.): Topografien des Terrors. Nationalsozialismus in Osnabrück (Osnabrücker Kulturdenkmäler. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Osnabrück 16), Bramsche: Rasch 2015, 2. Auflage, S. 90–105, hier S. 91ff.

    [7] Vgl. Gander, Michael: Polizeigewalt und Zwangsarbeit. Eine gedenkstättenverbindende Dauerausstellung, in: GedenkstättenRundbrief, 199. 2020, H. 9, S. 3–15, hier S. 8–11.

    [8] Vgl. Steinwascher, Zeit 2006, S. 753f.

    [9] Vgl. ebd., S. 758f.

    [10] Vgl. Rickling, Matthias: Der Tag, an dem Osnabrück unterging. 13. September 1944, Gudensberg-Gleichen: Wartberg 2004, S. 36f.

    [11] Vgl. Steinwascher, Zeit 2006, S. 759.