Volkszählung

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Deckblatt eines Haushaltungsbogens der Volkszählung von 1950
Quelle: NLA HA Nds., Nds. 112, Nr. 36498, 36499.

Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in der im Vorjahr gegründeten Bundesrepublik erstmalig eine Zählung der Bewohner:innen im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Für den Stichtag am 13. September 1950 sollten genaue Angaben bezüglich der einem Haushalt zugehörigen Personen und deren Arbeitsstellen aufgezeichnet werden. Bestandteil der Zählung waren zum einen die Haushaltungslisten, neben Wohnungs- und Gebäudelisten, wie auch Arbeitsstättenbögen. Die Informationen der Zählung sind, mit Ausnahme der Stadt Berlin, vollständig erhalten.1 Angaben auf den Haushaltungslisten zu der jeweiligen Hausnummer ermöglichten einen Überblick über die einzelnen Haushalte, welche in den jeweiligen Gebäuden wohnhaft waren.

Verantwortlich und gesetzlich verpflichtet für die zu machenden Angaben auf den Haushaltungslisten waren die jeweiligen Haushaltungsvorstände. Ein Zählungsbogen für einen Haushalt umfasste eine umfangreiche Tabelle, in welcher alle Mitglieder des Haushaltes zu vermerken waren. Abwesende Personen waren in einer zusätzlichen Tabelle zu vermerken. Ebenso war die Arbeitsstelle mit Betriebsnamen, Adresse und ausgeführter Tätigkeit anzugeben. Neben persönlichen Angaben wie Name, Geschlecht und Religionszugehörigkeit verlangte der Zählbogen die Angabe des ständigen Wohnortes zum 01. September 1939. Diese Angabe war wiederum unterteilt in die Wohngemeinde und den Kreis. Anzugeben war letzterer in den Grenzen des Jahres 1937, vor dem Anschluss Österreichs und der Annektierung des Sudetenlandes sowie der Stadt Danzig.

Die Haushaltungslisten der Volkszählung vom 13. September 1950 ermöglichen einen umfangreichen Blick auf die sozialen Verhältnisse der Lohstraße in der Nachkriegszeit. Die Zählung fiel in einen Zeitabschnitt, welcher geprägt war durch Zusammenbruch und Neubeginn. Es stellte somit auch den Versuch einer Bestandsaufnahme nach dem Krieg dar: Die Großstädte waren zerstört, die Bevölkerung der Bundesrepublik hatte sich durch den Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtenden aus der sowjetischen Besatzungszone im Vergleich zur Vorkriegszeit erhöht.2 Neben den sozialen Charakteristika der einzelnen Haushalte und Personen ergibt sich aus den Haushaltungslisten ebenfalls ein Bild der gewerblichen Situation. Aus den gezählten einzelnen Hausnummern leitet sich eine Gesamtperspektive auf die bewohnten Gebäude der Lohstraße her, welche Rückschlüsse auf die bauliche Situation im Jahr 1950 zulassen. Angaben zum Wohnort bei Kriegsbeginn ermöglichen es, kriegsbedingte Veränderungen der sozialen Situation in der Lohstraße darzustellen.

Die Volkszählung von 1950 konnte trotz ihres Vollständigkeitsanspruches nicht alle eigentlichen Bewohner:innen der Lohstraße erfassen. Vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wohnten dort jüdische Menschen, Zwangsarbeiter:innen und andere Personen, die dem Wirken der Nationalsozialist:innen zum Opfer gefallen waren. Ihre Geschichten lassen sich anhand der Volkszählungsbögen von 1950 nicht erzählen, da sie nie in die Lohstraße zurückkehrten. Dennoch sollen sie ein Teil der folgenden Betrachtungen sein.

Die Volkszählungsbögen der Lohstraße stammen aus Beständen, welche im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Hannover, archiviert sind. Diese bilden die Grundlage für die folgenden Betrachtungen.3 

  1. Vgl. Zuber, Uwe: Die nordrhein-westfälischen Einzelfalldaten der Volkszählung von 1950. Anmerkungen zu Bewertung, Sicherung und Erschließung, in: Jens Niederhut/Uwe Zuber (Hrsg.): Archive und Statistik. Zur Archivierung von Unterlagen der Volkszählung 1950 und elektronischer Statistiken (Veröffentlichungen des Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Bd. 46), Essen: Klartext Verl. 2014, S. 95–110, hier S. 95f.

  2. Vgl. Schön, Karl Peter: Die Entwicklungsphasen der Städte und Regionen im Spiegel der Volkszählungen. Bonn: Selbstverl. der Bundesforschungsanst. für Landeskunde und Raumordnung 1993, S. 2.

  3. Vgl. NLA HA Nds., Nds. 112, Nr. 36498, 36499.

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Inhaltlich verantwortlich: Johannes Pufahl

[1] Vgl. Zuber, Uwe: Die nordrhein-westfälischen Einzelfalldaten der Volkszählung von 1950. Anmerkungen zu Bewertung, Sicherung und Erschließung, in: Jens Niederhut/Uwe Zuber (Hrsg.): Archive und Statistik. Zur Archivierung von Unterlagen der Volkszählung 1950 und elektronischer Statistiken (Veröffentlichungen des Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Bd. 46), Essen: Klartext Verl. 2014, S. 95–110, hier S. 95f.

[2] Vgl. Schön, Karl Peter: Die Entwicklungsphasen der Städte und Regionen im Spiegel der Volkszählungen. Bonn: Selbstverl. der Bundesforschungsanst. für Landeskunde und Raumordnung 1993, S. 2.

[3] Vgl. NLA HA Nds., Nds. 112, Nr. 36498, 36499.