Der 'Lohbunker'
Nach dem Ersten Weltkrieg erkannte die deutsche Politik die Notwendigkeit des Schutzes vor möglichen Angriffen aus der Luft. In Folge der Machtetablierung der Nationalsozialist:innen 1933 wurde Hermann Göring mit der Sicherstellung des Luftschutzes beauftragt. 1935 legte Göring ein Luftschutzgesetz vor, das die Sicherheit vor möglichen Bombenangriffen gewährleisten sollte.1
Osnabrück wurde als luftgefährdete Stadt ersten Ranges eingestuft. Grund hierfür war hauptsächlich die Anbindung an die Reichsbahn und die wichtige strategische Lage. Die Gefahr, dass die Stadt von Bombenangriffen betroffen sein könnte, wurde folglich als sehr hoch angesehen. Zwischen dem 23. Juni 1940 und dem 25. März 1945 sind insgesamt 79 Luftangriffe mit insgesamt 1.434 Toten zu verzeichnen. Setzt man dies in Relation zu anderen Städten, fallen die Todeszahlen gering aus, was auch auf die umfangreichen Luftschutzbauten zurückzuführen ist.2
Im Rahmen des Luftschutzprogramms wurde auch in der Nähe der Lohstraße ein Hochbunker errichtet, der zwischen der Hasemauer und der Lohstraße lag.3 Die Erbauung des 37,5 Meter langen und 11,5 Meter breiten 'Lohbunkers' begann im Juli 1941. Die Anlage wies große Ähnlichkeit mit einem Bunker in der Buerschen Straße auf, der zeitgleich errichtet wurde. 699 Personen konnten im Lohbunker auf drei Ebenen Zuflucht finden. Neben dem Schutz der Bevölkerung fungierte der Bunker ebenfalls als Kommandostand für die Luftschutzpolizei. Gegen Ende des Krieges dienten zwei Räume des Bunkers als medizinische Operationseinrichtungen. Mit dem Kriegsende wurde der Bunker zunächst durch die englischen Besatzer weitestgehend untauglich gemacht, die Überreste wurden in Folge einer Stadtsanierung vollständig beseitigt.4

Fotografie des Lohbunkers im Gutachten vom 04. Februar 1959
Quelle: NLA OS, Dep 3 c, Akz. 2007/60 Nr. 1.
1958 beabsichtigte die Firma Bierhake das Grundstück des Bunkers zu kaufen und diesen für gewerbliche Zwecke zu verwenden. Im Rahmen eines Gutachtens über den Zustand und die Verwendungsmöglichkeit des Bunkers für gewerbliche Zwecke vom 4. Februar 1959 sind einige Bilder der Anlage entstanden, die den Zustand des Bunkers in der Nachkriegszeit dokumentieren.5 Zusätzlich liegt eine Beschreibung und eine Beurteilung des Zustandes des Bunkers vor.
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Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2007/060 Nr. 1, Blatt 11–29.↩

Fotografie des Lohbunkers im Gutachten vom 04. Februar 1959
Quelle: NLA OS, Dep 3 c, Akz. 2007/60 Nr. 1.
Am 19. Februar 1959 wurde festgehalten, dass der Bunker den "Krieg ohne nennenswerte Schäden überstanden und auch Volttreffern standgehalten"6 hätte. "Durch Sprengungen von Öffnungen und Dach hat der Bunker den Wert als Schutzraum endgültig verloren,"7 weshalb die Anlage nicht mehr für diese Zwecke vorgesehen sei. Die Reparatur sei zu teuer, die Anlage nicht mehr zeitgemäß und die Nutzung zu gewerblichen Zwecken somit möglich.8 An selber Stelle befindet sich heute ein Parkhaus.
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Inhaltlich verantwortlich: Andreas Lorenz
[1] O'Brien, Andreas/ Raddatz, Holger: Die verbunkerte Stadt. Luftschutzanlagen in Osnabrück und Umkreis, Norderstedt: Books on Demand 2009, S. 15.↩
[2] Vgl. ebd., S. 13, 25–26.↩
[3] Vgl. ebd., S. 32.↩
[4] Vgl. ebd.↩
[5] Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2007/060 Nr. 1, Blatt 11–29.↩
[6] NLA OS, Dep 3c, Akz. 2007/060 Nr. 1, Blatt 30.↩
[7] Ebd.↩
[8] Vgl. ebd.↩