Die Geheime Staatspolizei Osnabrück

Die Osnabrücker Gestapo-Stelle wurde im April 1933 eingerichtet. Sie wurde in der Polizeiverwaltung der Osnabrücker Regierung eingegliedert und war damit zunächst Teil der allgemeinen Polizeiverwaltung. Sie war für den gesamten Regierungsbezirk Osnabrück verantwortlich. Das schloss Stadt und Landkreis Osnabrück sowie die Grafschaft Bentheim und das Emsland ein. Die Nähe zu den Niederlanden als ein Rückzugsort für die politische Opposition führte zum Aufbau eines engmaschigen Informationsnetzes, das über Staatsgrenzen hinaus funktionierte.1

In der Region Osnabrück waren ab 1940 die Zwangsarbeitenden die größte Verfolgungsgruppe und wichtig für die deutsche Kriegswirtschaft. Deswegen wurde auch jeder Versuch bestraft, sich der Zwangsarbeit zu entziehen.2 Mit der Ausweitung ihrer Befugnisse wurde die Osnabrücker Gestapo wie alle anderen Dienststellen auch zu Richtern und Henkern. Eigenständige Hinrichtungen von Zwangsarbeitenden wurden nun möglich.3

Unter den Verfolgten gehörten ebenso jüdische Menschen. Im Zuge der Reichspogromnacht 1938 sperrte die hiesige Gestapo  90 Juden im Zellentrakt des Schlosses ein. Insgesamt 477 Osnabrücker Jüdinnen und Juden wurden in Konzentrationslager deportiert, die meisten starben. Nach dem Krieg kehrten nur 15 von ihnen wieder in den Bezirk Osnabrück zurück.

  1. Weitkamp, Sebastian: Zentrale des Terrors. Die Gestapo Osnabrück 1933–45, in: Thorsten Heese (Hrsg.): Topografien des Terrors. Nationalsozialismus in Osnabrück (Osnabrücker Kulturdenkmäler. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Osnabrück 16), Bramsche: Rasch 2015, 2. Auflage, S. 90–105, hier S. 90ff.

  2. Vgl. Gander, Michael: Polizeigewalt und Zwangsarbeit. Eine gedenkstättenverbindende Dauerausstellung, in: GedenkstättenRundbrief, 199. 2020, H. 9, S. 3–15, hier S. 8–11.

  3. Vgl. ebd.

GruppenfotoGestapoOS.jpg

Gruppenbild der Gestapo Osnabrück 1943
Quelle: Weitkamp, Sebastian: Zentrale des Terrors. Die Gestapo Osnabrück 1933–45, in: Thorsten Heese (Hrsg.): Topografien des Terrors. Nationalsozialismus in Osnabrück (Osnabrücker Kulturdenkmäler. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Osnabrück, Bd. 16.), Bramsche: Rasch Verlag 2015, S. 90–105, hier S. 93.

Personalstruktur und Ort der Dienststelle

Ähnlich wie auch in anderen Dienststellen war die Osnabrücker Gestapo personell in überschaubarem Maße ausgestattet. Die Osnabrücker Gestapo-Stelle verzeichnete im Jahr 1935 beispielsweise lediglich 20 Mitarbeitende, ein Jahr später waren es 30 und 1937 standen für die Überwachung der im Regierungsbezirk lebenden Gesellschaft, die zu jener Zeit etwa eine halbe Million Menschen umfasste, nicht mehr als 34 Behördenangestellte zur Verfügung. Nach Kriegsbeginn waren 1941 einschließlich des Kanzlei- und Dienstpersonals 90 Personen beschäftigt. Kriegsbedingt sank die Zahl im Jahr 1942 auf 27 Angestellte.4

"Der Nachbar war oftmals gefährlicher als der Gestapo-Beamte"5 

Eine lückenlose Überwachung des Regierungsbezirkes war so ohne Mithilfe von Polizeien, Verwaltungen und Spitzel kaum möglich gewesen. Für die Aufrechterhaltung des Überwachungssystems waren Denunziant:innen unverzichtbar. Das konnten Fremde, Nachbar:innen, Freund:innen oder sogar Familienmitglieder sein. Im Ergebnis erzeugte diese Praktik ein Klima der Angst innerhalb der Gesellschaft, ohne dass ein offensives Einschreiten der Gestapo notwendig wurde.6

  1. Vgl. Weitkamp, Zentrale 2015, S. 95.

  2. Ebd., S. 93.

  3. Vgl. ebd., S. 95.

Erster Leiter der Osnabrücker Gestapo war von Mai bis Juli 1933 der Nationalsozialist und SA-Führer Otto Marxer. Die neue Behörde wurde mit regimetreuen Anhänger:innen besetzt und nach Marxer wurden nur noch (insgesamt 13) Fachbeamte Gestapoleiter in Osnabrück. Diese sind jedoch oft zu größeren Dienststellen gewechselt. Maßgebende Leiter der Gestapo Osnabrück waren Walter Schlette, Ernst Bach, Anton Weiß-Bolladt und Fritz Rascher, da sie entweder sehr lange in dieser Position waren oder es in ihrer Zeit als Leiter weitreichende Änderungen gab. Unter Weiß-Bolladt fand am 13. Dezember 1941 beispielsweise die erste Deportation von insgesamt 205 Jüdinnen und Juden statt.7

Innerhalb der Gestapo gab es insgesamt drei Abteilungen: 1. Verwaltung, 2. Politik und 3. Abwehr. Des weiteren gab es noch spezialisierte Referate: 'Sabotagebekämpfung', 'Spionageabwehr', 'Wirtschaftsangelegenheiten', 'Kommunismus und Rundfunkverbrechen', 'Erkennungsdienst', 'Schutzhaft', 'Ausländische Arbeiter' und zuletzt das Referat 'Politische Kirchen'.8

Zumeist arbeiteten die Beamt:innen nicht in der Zentrale, sondern in verschiedenen Außenstellen, zum Beispiel in den Grenzpolizeikommisariaten Bentheim, Meppen oder Nordhorn. Nach Kriegsende blieben die meisten Gestapo-Mitarbeitenden und auch Leiter verschont, es kam nur zu wenigen Verhaftungen.9

Die Dienstelle der Osnabrücker Gestapo lag bis 1938 im Regierungsgebäude am Wall. Aus Platzmangel entschied man sich für den Ausbau des Osnabrücker Schlosses, in dessen Westflügel Büros und Zellen eingebaut wurden. Ab Mai 1940 war die Gestapo zusammen mit deme SD im ehemaligen Hotel Schaumburg stationiert. Ende 1942 erfolgte ein erneuter Umzug ins Schloss, ehe Bombenschäden Ende 1944 ein letztmaliges Ausweichen ins Marienhospital notwendig machten. Im Hausgefängnis kam es immer wieder zu Misshandlungen der Inhaftierten.10

  1. Vgl. ebd., S. 91ff.

  2. Vgl. ebd., S. 96.

  3. Vgl. ebd., S. 96ff.

  4. Vgl. ebd., S. 95ff.

Funktionen und Strategien

Die Gestapo wurde mit Befugnissen ausgestattet, die weit über die einer demokratischen Polizei hinaus ging. Mit der Zeit konnte sie nicht nur Ermittlungen anstellen und Menschen verhaften sondern auch ohne Gerichtsurteil eigenmächtig Strafen verhängen und vollstrecken. Auch Tötungen waren später möglich. Es gab also keine gerichtliche Kontrolle. Die lokale Gestapostelle stellte Vergehen fest und beantragte Strafen und erbat Weisungen von vorrausgesetzten Stellen wie von der Behörde in Münster. Außerdem wurden sie durch die Außenstelle des Sicherheitsdienstes der SS unterstüzt, welche der Gestapo zuarbeitete, Karteien anlegte, politische Gegner:innen bespitzelte und nach der Stimmung in der Bevölkerung horchte.11

Zu den Bestrafungsmaßnahmen gehörten die sogenannte 'Schutzhaft', bei der man die Inhaftierten auf unbestimmte Zeit in Haft sitzen ließ. 'Verschärfte Vernehmungen' im Luftschutzraum des Schlosses waren häufig von Foltermethoden begleitet. Damit die Schreie der Gefangenen nicht von außen zu hören war, schloss man die Luftschutztüren und Fensterklappen. 'Sonderbehandlungen' von Gefangenen, also die gezielte Tötung, wurden mit Einverständnis der RSHA. Später fassten lokale Gestapo-Leiter diese Beschlüsse selbstständig. Weitere Bestrafungen waren unter anderem Einweisungen in Arbeits- und Konzentrationslager, Zuchthäuser, Gefängnisse sowie Heil- und Pflegeanstalten.12

Um ihren Aufgaben erfolgreich nachzukommen, war die Gestapo auf Amtshilfe anderer Behörden und Institutionen angewiesen. Zusammenarbeit war Pflicht, jedoch wurde nicht festgelegt, wie umfassend die Kooperation erfolgen sollte. Helfende Stellen waren neben der Wehrmacht, NSDAP-Jungorganisationen und Arbeitsämter auch die Bahn sowie die Post.13

  1. Vgl. ebd., S. 90ff.

  2. Vgl. ebd.

  3. Vgl. ebd.

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Inhaltlich verantwortlich: Maximilian Kahle

[1] Weitkamp, Sebastian: Zentrale des Terrors. Die Gestapo Osnabrück 1933–45, in: Thorsten Heese (Hrsg.): Topografien des Terrors. Nationalsozialismus in Osnabrück (Osnabrücker Kulturdenkmäler. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Osnabrück 16), Bramsche: Rasch 2015, 2. Auflage, S. 90–105, hier S. 90ff.

[2] Vgl. Gander, Michael: Polizeigewalt und Zwangsarbeit. Eine gedenkstättenverbindende Dauerausstellung, in: GedenkstättenRundbrief, 199. 2020, H. 9, S. 3–15, hier S. 8–11.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Weitkamp, Zentrale 2015, S. 95.

[5] Ebd., S. 93.

[6] Vgl. ebd., S. 95.

[7] Vgl. ebd., S. 91ff.

[8] Vgl. ebd., S. 96.

[9] Vgl. ebd., S. 96ff.

[10] Vgl. ebd., S. 95ff.

[11] Vgl. ebd., S. 90ff.

[12] Vgl. ebd.

[13] Vgl. ebd.