Sozialprofil

Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland 1939–1987
Quelle: Schön, Karl Peter: Die Entwicklungsphasen der Städte und Regionen im Spiegel der Volkszählungen (Materialien zur Raumentwicklung, Bd. 56), Bonn: Selbstverl. der Bundesforschungsanst. für Landeskunde und Raumordnung 1993, S. 7.
In einem Sozialprofil werden Daten empirisch aufbereitet und nutzbar gemacht, um einen Einblick in soziale Strukturen zu ermöglichen. Die weiteren Verwendungsmöglichkeiten der ausgewerteten Daten sind vielfältiger Natur. Im Falle der Lohstraße kann es einen Eindruck von der Straße und den darin lebenden Gruppen und Individuen geben.
Die Erstellung eines Sozialprofils bietet sich meist dort an, wo zwei Datensätze aus unterschiedlichen Zeiten vorliegen und ein Vergleich von Daten möglich ist. Üblicherweise steht also der Wandel sozialer Strukturen wie etwa Organisationen im Mittelpunkt und soll mithilfe der verfügbaren Daten sichtbar gemacht werden.1 Solche Sozialprofilanalysen finden sich hierzu in vielfältiger Ausprägung und Themensetzung. So gibt es beispielsweise Sozialprofilanalysen, die sich mit dem Wandel sozialer Strukturen im Bundesnachrichtendienst oder in reicheren Schichten der Gesellschaft auseinandersetzen. Auch der interne soziale Aufbau von Infanteriedivisionen im Zweiten Weltkrieg oder Parteimitgliedern können Thema einer solchen Analyse sein. Die Entscheidung, welche Daten aus den Volkszählungsbögen für die Darstellung der sozialen Zusammensetzung der Lohstraße zuträglich sein könnten, orientiert sich mitunter an den Herangehensweisen solchen Projekte.2
Doch auch für die Betrachtung eines konkreten Ortes zu einem bestimmten Zeitpunkt – in diesem Fall die Lohstraße im September des Jahres 1950 – vermag es ein Sozialprofil, die grundlegende soziale Zusammensetzung einer Straße offenzulegen. Das Ziel dahinter ist es, das heutige Bild von der Lohstraße im Jahr 1950 zu schärfen und zu konkretisieren. Die große Aussagekraft des folgenden Sozialprofils liegt sowohl in der vollständigen Überlieferung der Volkszählungsbögen aus dem Jahr 1950 begründet als auch darin, dass die Volkszählung nicht stichprobenartig stattfand, sondern die Gesamtheit aller Einwohner erfasste.
Die Analyse der Sozialstruktur der Lohstraße erforderte mehrere Schritte: Zunächst mussten die Daten im Niedersächsischen Landesarchiv, Standort Hannover, gesichtet und erfasst werden. Danach folgte die Erstellung einer Datenbank und die zielgerichtete Nutzung der Daten hinsichtlich verschiedener sozialer Determinanten wie die Geschlechterverteilung innerhalb der Lohstraße. Der Fokus des Sozialprofils liegt zunächst auf einer Rekonstruktion der allgemeinen Daten zu Alter, Geschlecht, Religion, Herkunft und Muttersprache. Die folgenden Abschnitte des Ausstellungsmoduls widmen sich daraufhin den familiären und beruflichen Strukturen der Bewohner:innen der Lohstraße im Jahr 1950.
Wichtig anzumerken ist an dieser Stelle, dass die zugrundeliegenden Daten einer Sozialprofilanalyse zum einen kritisch auf ihre Herkunft und ihren Quellenwert überprüft werden müssen. Dies wurde durch die Sicherung der Völkszählungbögen im Niedersächsischen Landesarchiv in Hannover und die dortige Sichtung sichergestellt. Zum anderen muss auch flexibel mit der Datenlage umgegangen werden, da die Fragebögen der Volkszählung zwar vollständig vorliegen, in den ausgewerteten Ergebnisse jedoch nicht immer die Gesamtheit aller Einwohner:innen mit einfließen können. Dies liegt daran, dass Angaben zu gewissen Fragen gar nicht oder nur unzureichend lesbar beantwortet wurden.3
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Vgl. Rass, Christoph: Das Sozialprofil des Bundesnachrichtendienstes. Von den Anfängen bis 1968 (Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968, Bd. 1), Berlin: Ch. Links Verlag 2016, S. 38.↩
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Vgl. ebd.; Boll, Bernhard/Holtmann, Everhard (Hrsg.): Parteien und Parteimitglieder in der Region. Sozialprofil, Einstellungen, innerparteiliches Leben und Wahlentscheidung in einem ostdeutschen Bundesland. Das Beispiel Sachsen-Anhalt (Springer eBook Collectio. Humanities, Social Sciences), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2001; Rass, Christoph: "Menschenmaterial". Deutsche Soldaten an der Ostfront, Innenansichten einer Infanteriedivision 1939–1945 (Krieg in der Geschichte, Bd. 17), München u. a.: Schöningh 2003; Ströing, Miriam: Reichtum und gesellschaftliches Engagement in Deutschland. Empirische Analyse der Determinanten philanthropischen Handelns reicher Personen, Wiesbaden: Springer VS 2015.↩
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Vgl. Graf, Angela: Die Wissenschaftselite Deutschlands. Sozialprofil und Werdegänge zwischen 1945 und 2013, Frankfurt/Main u. a.: Campus-Verl. 2014, S. 94.↩
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Inhaltlich verantwortlich: Felix Ostertun
[1] Vgl. Rass, Christoph: Das Sozialprofil des Bundesnachrichtendienstes. Von den Anfängen bis 1968 (Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968, Bd. 1), Berlin: Ch. Links Verlag 2016, S. 38.↩
[2] Vgl. ebd.; Boll, Bernhard/Holtmann, Everhard (Hrsg.): Parteien und Parteimitglieder in der Region. Sozialprofil, Einstellungen, innerparteiliches Leben und Wahlentscheidung in einem ostdeutschen Bundesland. Das Beispiel Sachsen-Anhalt (Springer eBook Collectio. Humanities, Social Sciences), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2001; Rass, Christoph: "Menschenmaterial". Deutsche Soldaten an der Ostfront, Innenansichten einer Infanteriedivision 1939–1945 (Krieg in der Geschichte, Bd. 17), München u. a.: Schöningh 2003; Ströing, Miriam: Reichtum und gesellschaftliches Engagement in Deutschland. Empirische Analyse der Determinanten philanthropischen Handelns reicher Personen, Wiesbaden: Springer VS 2015.↩
[3] Vgl. Graf, Angela: Die Wissenschaftselite Deutschlands. Sozialprofil und Werdegänge zwischen 1945 und 2013, Frankfurt/Main u. a.: Campus-Verl. 2014, S. 94.↩