Flucht und Vertreibung

In der Volkszählung von 1950 gaben einige Bewohner:innen der Lohstraße an, einen 'Flüchtlingsausweis' zu besitzen. Viele von ihnen behaupteten gleichzeitig, 1939 schon in Osnabrück und oft sogar der Lohstraße gewohnt zu haben. Für diese Widersprüchlichkeit können unterschiedliche Erklärungsmodelle herangezogen werden, die von tatsächlichen Fluchterfahrungen über die Veränderung der Erzählung der eigenen Familienhistorie bis zu Identifikations- und Zugehörigkeitswünschen reichen. Genau deshalb lohnt sich hier ein Blick auf die Wohnbiografien der Menschen.

Von denjenigen Personen, die in der Volkszählung 1950 angaben einen Flüchtlingsausweis zu besitzen, waren vier Mitglied der Wehrmacht. Zwei von diesen Personen gaben an, aus französischer Kriegsgefangenschaft zugezogen zu sein.

Für die anderen Fälle, die in der Volkszählung von 1950 die Frage nach dem Besitz eines Flüchtlingsausweises bejahten, sind in der Meldekartei keine Hinweise auf den Grund für den Erhalt eines solchen Ausweises zu finden. Einige der Personen waren ausnahmslos in Osnabrück, und größtenteils der Lohstraße, gemeldet. Ob und, wenn ja, warum diese Menschen einen Flüchtlingsausweis besessen haben oder dies fälschlicherweise angaben, bleibt ein Rätsel.

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Inhaltlich verantwortlich: Linus Otten

Da die genutzten Quellen besonderen Schutzfristen unterliegen, sind sie einzeln nicht zitierbar. Alle genutzten Quellen entstammen der städtischen Meldekartei der Stadt Osnabrück im NLA Osnabrück.