Bombenkrieg Osnabrück

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Strategische Bomber des Typs Avro-Lancaster in Formation
Quelle: Imperial War Museum, TR 1156, in: Imperial War Museum, URL: https://www.iwm.org.uk/collections/item/object/205188689 (abgerufen am: 18.03.2025).

Der vom NS-Regime entfesselte Zweite Weltkrieg brachte Tod und Vernichtung über Europa. Neben den Kämpfen am Boden entwickelte zusätzlich der Krieg in der Luft eine bis dahin nicht gekannte Dimension. Dies galt nicht nur unmittelbar für das Schlachtfeld, auch rückten vermehrt Städte und Infrastruktur in den Fokus der Kriegsführung. Mit der 'area bombing directive' vom 14. Februar 1942 wurden auf britischer Seite gezielte Bombardierungen von Stadtzentren und Wohnvierteln beschlossen.1 Ziel der Angriffe war es zum einen, die wirtschaftlichen und logistischen Möglichkeiten des Gegners zu reduzieren, zum anderen sollten die Luftschläge die Kampfmoral der Bevölkerung brechen. Die Strategie verfolgte die Zerstörung urbaner Zentren als Manifestation einer industriellen Basis, ohne welche ein moderner Krieg nicht zu führen ist.

Im Laufe des Krieges wurde Osnabrück Ziel von Luftangriffen wachsender Intensität und Zerstörung. Der erste Luftschlag erfolgte am 23. Juni 1940 und war der erste einer Serie von 79 Angriffen, die mit einem finalen Luftangriff am Palmsonntag, den 25. März 1945, kurz vor Einrücken der britischen Armee, ihr Ende nahn.2 Waren die frühen Angriffe zunächst punktuell und auf die Infrastruktur fixiert, nahm die Schwere und Zerstörungskraft, insbesondere bei Beginn der Flächenbombardierungen ab dem Jahr 1943, dramatisch zu. Ein besonders schwerer Angriff erfolgte am 13. September 1944, bei dem nahezu die gesamte Innenstadt mit einem Bombenteppich überzogen wurde und die gesamte Altstadt in einem Flammenmeer versank.3 

Insgesamt fielen während des Luftkrieges circa 30.000 Sprengbomben, 31.200 Brandbomben, sowie 632.500 Stabbrandbomben auf Osnabrück. Am Ende des Krieges waren 79% der Wohngebäude in der Altstadt zerstört. Die Todeszahlen beliefen sich auf 1.434 Personen.4 Von diesen waren 268 Zwangsarbeiter:innen oder Kriegsgefangene. Diese Zahl erhält durch den geringen Anteil dieser Personengruppe an der Gesamtbevölkerung ein noch höheres Gewicht.  Diese Proportionalität resultierte wohl aus dem Umstand, dass diesen sogenannten 'Fremdarbeitern' der Zugang zu den Luftschutzeinrichtungen häufig verwehrt wurde.5 

  1. Vgl. Overy, Richard J.: The Bombing War. Europe 1939–1945, London u. a.: Allen Lane 2013, S. 288: "A new directive was sent to Baldwin as acting commander-in-chief on 14 February 1942, modifying the directive of July 1941, by removing communications as a primary target and focusing the force entirely on the morale of the enemy civil population and in particular of the industrial workers".

  2. Vgl. Ordelheide, Karl: Am Ende war der Anfang. Osnabrück 1945–1948, Osnabrück: Karl Ordelheide Verlag 1982.

  3. Vgl. Rickling, Matthias: Der Tag, an dem Osnabrück unterging. 13. September 1944 (Deutsche Städte im Bombenkrieg), Gudensberg-Gleichen: Wartberg 2004, S. 36f.

  4. Vgl. Spratte, Wido: Im Anflug auf Osnabrück. Die Bombenangriffe 1940–1945, Osnabrück: Wenner 2004, 2. Auflage, S. 155.

  5. Vgl. Rickling 2004, S. 28.

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Inhaltlich verantwortlich: Johannes Pufahl

[1] Vgl. Overy, Richard J.: The Bombing War. Europe 1939–1945, London u. a.: Allen Lane 2013, S. 288: "A new directive was sent to Baldwin as acting commander-in-chief on 14 February 1942, modifying the directive of July 1941, by removing communications as a primary target and focusing the force entirely on the morale of the enemy civil population and in particular of the industrial workers".

[2] Vgl. Ordelheide, Karl: Am Ende war der Anfang. Osnabrück 1945–1948, Osnabrück: Karl Ordelheide Verlag 1982.

[3] Vgl. Rickling, Matthias: Der Tag, an dem Osnabrück unterging. 13. September 1944 (Deutsche Städte im Bombenkrieg), Gudensberg-Gleichen: Wartberg 2004, S. 36f.

[4] Vgl. Spratte, Wido: Im Anflug auf Osnabrück. Die Bombenangriffe 1940–1945, Osnabrück: Wenner 2004, 2. Auflage, S. 155.

[5] Vgl. Rickling 2004, S. 28.