Das Fach Geschichte in den ersten Jahren der Universität Osnabrück
Veranstaltungen der Geschichte im Wintersemester 1974/75
Quelle: Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1974/75, S. 83–87.
Als die Universität Osnabrück im Sommer 1974 ihren Lehrbetrieb aufnahm, spielte das Fach Geschichte eine nur untergeordnete Rolle, wie aus den Vorlesungsverzeichnissen der ersten Semester hervorgeht: Geschichte konnte, wie viele andere Fächer, nur im Kontext des Lehramtstudiums studiert werden und zählte in Osnabrück darüber hinaus zu den auslaufenden Studiengängen. Dies war dem Versuch der Universität geschuldet, die Lehrerbildung mit dem Modell des Einphasigen Studiengangs zu reformieren. Infolgedessen wurden die Fächer Geschichte, Geographie, Politikwissenschaft und Soziologie unter dem Sammelstudienfach Sozialkunde zusammengefasst und in den Projektbereichen 'Sozialstrukturelle Entwicklung' und 'Wirtschaftsstrukturelle Entwicklung' vereint.1
Hauptsächlich wurde sich mit Wirtschaftsgeschichte und den sozialen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt. BRD, DDR, Weimarer Republik und das Erziehungswesen Chinas standen an der Tagesordnung. Die Abteilungen Alte Geschichte, Mittelalter und Frühe Neuzeit waren dagegen im neuen Modell fast gar nicht vertreten.2 Der Literaturwissenschaftler Klaus Garber attestiert rückblickend: "Historische Forschungsbereiche wie die Frühe Neuzeit waren in Osnabrück gänzlich fremd und den Sozialwissenschaftlern suspekt, wie alles, was nicht direkt an die Gegenwart anzubinden ist"3.
Dienstgespräch im Niedersächsischen Kultusministerium über Fragen der Lehrer:innenausbildung, 24.02.1978
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 52.
Abschrift eines Fernschreiben des Niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kunst über die Etablierung der Zweiphasigen Lehrerausbildung an der Universität Osnabrück
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 52.
Loslösung von der Sozialkunde
Diese Engführung der Anfangsjahre lässt sich auch im Personalverzeichnis für das Fach Geschichte erkennen. Anders als heute gab es in den ersten Jahren an der Universität Osnabrück nur eine kleine Anzahl Lehrkräfte für das Fach Geschichte.4 Ein wichtiger Bestandteil dieses kleinen Kreises war Prof. Dr. phil. Rüdiger Griepenburg, der die Professur für die Geschichte der Sozialen Bewegung innehatte. Er war bereits an der Adolf Reichwein-Hochschule als Lehrbeauftragter tätig und setzte seine Arbeit an der Universität bis zum Jahr 1998 fort. Am 1. Oktober 1999 wurde er schließlich in den Ruhestand entlassen.5
Mit dem vorzeitigen Ende der Einpahsigen Leherausbildung, wurde auch das Fach Geschichte an der Universität Osnabrück in einen zweiphasigen Studiengang überführt.6 Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst beschloss außerdem, dass "die Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde nicht untereinander verbunden werden"7. Zeitgleich änderte sich auch der thematische Schwerpunkt im Fach Geschichte: Der sozialwissenschaftliche Fokus wich dem Modell der Epochen. Noch bevor die Osnabrücker Universität ihr zehnjähriges Jubiläum feierte, waren mit der Ankunft von Prof. Dr. Klaus Wriedt, Prof. Dr. phil. Heinz Alfred Schilling und Prof. Dr. phil. Rainer Wiegels zu den Sommersemestern 1979, 1980 und 1981 auch die Epochen Mittelalter, Frühe Neuzeit und Alte Geschichte an der jungen Hochschule vertreten, sodass fortan im Rahmen der Zweiphasigen Lehrerausbildung Veranstaltungen aus jeder Epoche angeboten werden konnte.8
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Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1974/75, S. 60–62.↩
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Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 2018/53 Nr. 11.↩
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Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1978/79, S. 88–90; NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 52.↩
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Ebd.↩
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Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1979, S. 232–234; Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1980, S. 256–257; Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1981, S. 212–214.↩
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Inhaltlich verantwortlich: Julian Tischer
[1] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1974/75, S. 72–74.↩
[2] Vgl. ebd., S. 83–85.↩
[3] Zimmer, Wendelin: Turbulente Zeiten. Ein Lesebuch zur Geschichte der Universität Osnabrück, Osnabrück: Univ.-Verl. Rasch 1999, S. 50.↩
[4] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1974/75, S. 60–62.↩
[5] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 2018/53 Nr. 11.↩
[6] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1978/79, S. 88–90; NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 52.↩
[7] NLA OS, Dep 3 c, Akz. 17/1994 Nr. 1, Teil I, Blatt 168f.↩
[8] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1979, S. 232–234; Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1980, S. 256–257; Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1981, S. 212–214.↩

