Was wäre eine Bibliothek ohne Bücher?
Eine Bibliothek lebt von ihrem Bestand, weshalb dieser möglichst schnell aufgebaut werden sollte. Das Land Niedersachsen stellte der Universität Osnabrück über die Hochschulbaugesellschaft zweckgebunden 10 Millionen DM zur Verfügung, um von 1974 bis 1977 einen Grundbestand an Büchern und Medien, darunter auch Karten, elektronische Bestände und Mikrofilme, sowie die dazu benötigten Geräte zu beschaffen. Dabei sollte beachtet werden, dass die Pläne einer Integrierten Gesamthochschule noch beraten wurden und daher auch für die Fachhochschule Osnabrück Medien zu beschaffen seien.1
Das Modell zur Verteilung dieser Mittel sorgten für große Diskussionen zwischen der Universität Osnabrück, der Abteilung in Vechta, den Fachbereichen und der Fachhoschule Osnabrück. Es finden sich im Universitätsarchiv zahlreiche Beschwerden über eine ungerechte Verteilung der Mittel aus fast allen Organisationseinheiten. Pauschal hatte die Senatskommission für die Bibliothek jedem Fachbereich pauschal 100.000 DM zugewiesen, weiter erhielten die Fächer einen prozentualen Anteil, der auf Erfahrungen anderer Universitätsbibliotheken beruhte, da besonders geisteswissenschaftliche Fächer mehr Bücher benötigen würden als technische Disziplinen. Weitere Mittel waren an die Zahl der Studierenden, an Lehrstühle und Studiengänge innerhalb der Fachbereiche geknüpft.2
Für besonders viel Schriftverkehr sorgte die Beteiligung der Fachhochschule Osnabrück, die laut eigener Aussage in der Beschaffung von Büchern benachteiligt sei. Nachdem auch das Kultusministerium in den wochenlangen Streit einbezogen wurde, stellte dieses fest, dass der Vertrag über die Mittel zwischen der Hochschulbaugesellschaft und der Universität Osnabrück geschlossen worden sei und somit nur sie berechtigt sei, Bestellungen aus diesem Posten vorzunehmen. Da diese Aufgabe von der Universität an die Fachbereiche delegiert worden ist, fungierten diese als Ansprechpartner für die Fachhochschule. Um den Streit zwischen den Hochschulen zu schlichten, wurde den verwandten Fachbereichen daraufhin weitere Haushaltsmittel aus Hannover zugeteilt mit der Anweisung, auch im Interesse der Fachhochschule Bücher zu beschaffen.3
Das größte Problem am Aufbau des Bücherbestandes war laut der Bibliothekseitung jedoch nicht das Geld, sondern das Personal. Durch fehlende Fachkräfte konnte den Wünschen der Fachbereiche nicht nachgegangen werden, da die Bestellungen gar nicht in diesem Maße inventarisiert und erfasst werden konnten. Da eine Bibliotheksbeschäftigung im höheren Dienst an der Pädagogischen Hochschule nicht gegeben war, konnte keine leitende oder beratende Stelle für die Planung der zukünftigen Universitätsbibliothek geschaffen werden. Der Gründungsausschuss und die Leitung der Pädagogischen Hochschule wurden daher durch Leitende anderer (Universitäts-)Bibliotheken in Niedersachsen beraten. Erst 1975 wurde der Bibliotheksdirektor Dr. Eilhard Cordes eingestellt.4
Der Personalplan der Bibliothek sah 106 Stellen vor, davon zwölf im höheren Dienst, 37 im gehobenen Dienst, 47 im mittleren Dienst und zehn sonstige Stellen. Da die Dienstelle in den ersten Jahren nur übergangsweise betrieben werden sollte, wurden die Personalstellen auch aufgrund des knappen Haushalts und der räumlichen Engpässe gekürzt. In der Begutachtung des Gebäudes und im Nutzungsplan durch Dr. Gerhard Schlitt, Leiter der Universitätsbibliothek Hannover, wurde festgestellt, dass der provisorische Bau maximal 22 bibliothekarische Mitarbeiter:innen unterbringen könne, was bereits nach ein bis zwei Jahren zu erreicht wäre.5
Die Stellenanzeigen wurden deutschlandweit in Fachzeitschriften und Zeitungen veröffentlicht, wobei sich nur wenige externe Fachkräfte auf die Ausschreibungen melden, die meisten Bewerbungen kamen von Personen aus Osnabrück und Vechta, die bereits an der Pädagogischen Hochschule angestellt waren. Der Mangel an Fachkräften nahm auch in den Anfangsjahren der Universität nicht ab und entschleunigte Prozesse in der Organisation der Universität, besonders den Aufbau des Bücherbestandes. 1981 verzeichnete die Bibliothek mit Blick auf einen möglichen Wechsel in ein neues Dienstgebäude immer noch 35 Fehlstellen.6
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Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 295; NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 358; NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 360.↩
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Vgl. ebd.↩
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Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 360.↩
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Vgl. Universität Osnabrück: Pressemeldung der Universität Osnabrück, 111. 2003.↩
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Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 295; NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 10; NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 17.↩
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Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 2015/96 Nr. 22.↩
Empfehlung der Senatskommision über die Planung des Bücherbestandes in der Bilbiothek der Universität Osnabrück
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 295.
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Inhaltlich verantwortlich: Benjamin Look
[1] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 295; NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 358; NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 360.↩
[2] Vgl. ebd.↩
[3] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 360.↩
[4] Vgl. Universität Osnabrück: Pressemeldung der Universität Osnabrück, 111. 2003.↩
[5] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 295; NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 10; NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 17.↩
[6] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 2015/96 Nr. 22.↩

