Entwicklung der Lehramtsfächer

Die Anfangsjahre der Lehrkräfteausbildung an der Universität Osnabrück war von Unklarheiten und Veränderungen geprägt. Unter anderem ist dies daran zu erkennen, wie sich das Angebot der Lehramtsstudiengänge weiterentwickelte. So konnten Studierende zu Beginn aus dreizehn unterschiedlichen Fächern wählen. Hierbei wurde unterteilt in 'Einphasige Lehramtsstudiengänge für die Schulstufen Primarstufe und Sekundarstufe I' sowie 'Einphasige Lehramtsstudiengänge für die Schulstufen Primarstufe, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II'. Dabei gab es zwar für den jeweiligen Studiengang eine festgelegte Zahl maximal zulässiger Studienanfänger:innen, jedoch keinen Numerus clausus. Das Angebot setzte sich aus den folgenden Fächern zusammen, wobei die Anzahl zuzulassender Studienanfänger:innen in Klammern steht:

Primarstufe und Sekundarstufe I Primarstufe, Sekundarstufe I und II
Bildende Kunst (10) Deutsch (65)
Musik (15) Englisch (50)
Biologie (20) Physik (45)
Sport (20) Mathematik (60)
Evangelische Theologie (20) Sozialkunde mit den Schwerpunkten
Geographie, Geschichte und Politik (65)
Religionswissenschaften (10) Arbeitslehre/Politik (45)
Katholische Theologie (20)

Trotz der großen Anfangsschwierigkeiten stellte die Universität also ein beachtliches Studienangebot in den Lehrämtern auf, welches alle grundlegenden Fachrichtungen abdeckte. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Anzahl zugelassener Studienanfänger:innen anfänglich gering war, was sich aber schon im darauffolgenden Semester ändern sollte.1 So standen ab dem Wintersemester 1974/75 bereits 1030 Plätze zur Verfügung.2

  1. Vgl. NLA OS Dep 103 Akz. 2018/67 Nr. 7.

  2. Vgl. ebd.

Im Laufe des daran anknüpfenden Sommersemesters 1975 beratschlagte sich die Gemeinsame Kommission für Lehrerausbildung weiterhin zur genauen Planung des Osnabrücker Modells. Zum Ende des Semesters sollten ausführliche Studienverläufe und genehmigte Prüfungsordnungen veröffentlicht werden.3 Der erste Entwurf einer Prüfungsordnung vom Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kunst folgte schließlich im Juni 1975.4 Das Fächerangebot erfuhr im Sommersemester ebenfalls eine Weiterentwicklung. Zwar konnten die Fächer Biologie, Sport und Evangelische Theologie nach wie vor nur von Studierenden der Primarstufe und Sekundarstufe I besucht werden, dafür wurde der Kanon für alle Schulstufen bereits ein Jahr nach Anlauf der Lehrveranstaltungen um die Fächer Kunst und Musik erweitert. Im Rahmen der Arbeitslehre konnten sich Studierende aller Lehrämter nun zwischen den Schwerpunkten Werken, Textiles Gestalten, Hauswirtschaft und Sozialwissenschaft entscheiden.5 Während des gesamten Studiums waren alle Fachbereiche mit unterschiedlichen Schwerpunkten an der Lehrerausbildung beteiligt. Studierende, die im Wintersemester 1974 ihr Studium aufnahmen, begannen in ihrem dritten Studiensemester – also im WiSe 1975 – mit dem Studium eines zweiten Faches.

Das Studienangebot im Wintersemester 1975/76 – aus dem zwei Unterrichtsfächer gewählt werden konnten – gestaltete sich wie folgt:

Primarstufe und Sekundarstufe I Primarstufe, Sekundarstufe I und II
Biologie (30) Arbeitslehre (40)
Evangelische Theologie (25) Deutsch (35)
Sport (20) Englisch (25)
Französisch (nur Sekundarstufe I/II( (15)
Katholische Theologie (30)
Kunst (15)
Mathematik (35)
Musik (10)
Philosophie (nur Sekundarstufe II) (15)
Physik (20)
Sozialkunde (45)6 

Eine Neuerung, die hierbei deutlich wird, ist, dass für die Sekundarstufen I und II ergänzend Französisch und in der Sekundarstufe II Philosophie zur Auswahl standen. Die Anzahl verfügbarer Studienplätze erfuhr je nach Studienfach leichte Veränderungen. In dem Entwurf der Prüfungsordnung aus dem Wintersemester 1975/76 wurde festgelegt, welche Fächer Studierende in den verschiedenen Lehrämtern miteinander kombinieren konnten. In der Primarstufe hatten sie so die Möglichkeit, sich für einen Lernbereich zu entscheiden. Zur Auswahl standen beispielsweise die Lernbereiche 'Natürliche Umwelt' oder 'Soziale Umwelt'. Dies wurde in Kombination mit den Fächern Deutsch oder Mathe studiert. Eine Alternative bestand darin, Deutsch, Englisch, Kunst, Mathe, Musik, Evangelische oder Katholische Religion, Sport oder Werken mit dem Unterrichtsfach Deutsch oder Mathe zu kombinieren.7 Eine Kombination der Fächer Geographie, Geschichte oder Sozialkunde war hingegen nicht möglich.8 

In den Anfangsjahren der Lehramtsausbildung ergaben sich nicht nur organisatorische Fragen bezüglich des Fächerangebots, sondern es mussten auch einige prüfungsrechtliche Aspekte geklärt werden. So wurden für die verschiedenen Arten von Prüfungen, die Studierende während des Studiums absolvierten, nach und nach bestimmte Rahmenbedingungen festgelegt. In Erst- und Zweitfach setzten sich die Leistungen aus jeweils einer schriftlichen Hausarbeit sowie einer unterrichtspraktischen Prüfung zusammen. Ergänzend mussten die Studierenden eine fachwissenschaftlich-fachdidaktische Prüfung bestehen, welche eine Unterrichtsstunde sowie ein Auswertungsgespräch umfassten. In den Fächern Kunst, Musik und Sport gab es besondere Anforderungen: Die fachwissenschaftlich-fachdidaktische Prüfung bestand hier nicht nur aus einer mündlichen Prüfung und einer Arbeit unter Aufsicht, sondern es musste zusätzlich eine vorgezogene praktisch-theoretische Prüfung absolviert werden.9  Im Rahmen der unterrichtspraktischen Prüfung I und II bereiteten die Studierenden eigenständig Unterrichtsstunden vor und führten diese durch. Hierzu fertigten sie einen schriftlichen Entwurf an, in dem die didaktischen, methodischen und fachlichen Ansätze erläutert wurden. Dies wurde um ein 30-minütiges Auswertungsgespräch ergänzt, welches an die Unterrichtsstunde anknüpfte.10 Die Anforderungen an die Prüfungen sowie die Studienvoraussetzungen und inhaltlichen Grundlagen wurden vom Minister für Wissenschaft und Kunst gemeinsam mit den Universitäten Oldenburg und Osnabrück festgelegt.11 

  1. Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1975, Osnabrück: 1975, S. 76.

  2. Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1975/76, Osnabrück: 1975, S. 85.

  3. Vgl. ebd., S. 7677.

  4. Vgl. ebd., S. 87.

  5. Vgl. Universität Osnabrück: Amtliches Mitteilungsblatt, 2. 1975, S. 30–31.

  6. Vgl. ebd.

  7. Vgl. ebd., S. 32.

  8. Vgl. ebd., S. 39.

  9. Vgl. ebd., S. 33.

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Inhaltlich verantwortlich: Larissa Cleff, Philine Rohling

[1] Vgl. Vgl. NLA OS Dep 103 Akz. 2018/67 Nr. 7.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1975, Osnabrück: 1975, S. 76.

[4] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1975/76, Osnabrück: 1975, S. 85.

[5] Vgl. ebd., S. 7677.

[6] Vgl. ebd., S. 87.

[7] Vgl. Universität Osnabrück: Amtliches Mitteilungsblatt, 2. 1975, S. 30–31.

[8] Vgl. ebd., S. 31f.

[9] Vgl. ebd., S. 32.

[10] Vgl. ebd., S. 39..

[11] Vgl. ebd., S. 33.