Die ersten Jahre unter Universitätsleitung
Schreiben der Senatskommission für Baufragen an die Vorsitzenden einzelner Fachbereiche bezüglich des Platzmangels und der Raumverteilung am Schloss Osnabrück
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 41/92 Nr. 296.
Nachdem das Schloss durch die Universität Osnabrück im Jahr 1974 als Hauptsitz bezogen wurde, kam es schon im Folgejahr zu Auseinandersetzungen um diesen Standort. Ausschlaggebend war die Unterbringung von Personal in den Gebäuden der Universität. Bereits im September 1975 informierte die Senatskommission für Baufragen die Vorsitzenden der Fachbereiche, dass künftig eingestellte Mitarbeiter:innen keinen Arbeitsplatz bekommen könnten. Neubauten könnten erst ab 1980 realisiert werden. Die Senatskommission schrieb den Vorsitzenden der Fachbereiche deshalb: "Das bedeutet: Für die unmittelbare wie für die weitere Zukunft müssen Arbeitsplätze unter den bisherigen Gegebenheiten geschaffen werden, wobei alle Fachbereiche und alle Hochschullehrer und wissenschaftlichen Mitarbeiter wie die Studentenschaft werden bestimmte Ansprüche aufgeben und zusammenrücken müssen."1 Die Vorsitzenden sollten sich daher Gedanken darüber machen, wo Plätze eingespart oder zusammengelegt werden könnten. Der Rektor teilte dem Vorsitzenden der Senatskommission etwa zwei Monate später mit, dass in die laufenden Raumüberprüfungen auch die Räume des Allgemeinen Studierendenausschuss, des Integrationsausschusses und der Seminargemeinschaft für Bildungsforschung eingeschlossen werden müssten.2 Dies zeigt, dass der Platzmangel schon unmittelbar nach der Gründung der Universität zu einem zentralen Konfliktpunkt wurde und zugunsten der Verwaltung andere Organisationenseinheiten ihren Platz im Schloss aufgeben mussten.
Beschlussvorlage der Senatskommission für Baufragen bezüglich der Raumkonzeption der Universität
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 41/92 Nr. 296.
1976 lud die Senatskommission für Baufragen dann zu einer Sitzung ein, in der über die "[m]ittelfristige Raumkonzeption für alle Gebäude der Universität"3 beraten und abgestimmt werden sollte. In einer beigefügten Beschlussvorlage hielt die Kommission ihre Empfehlungen für den Senat fest. So sollten Räume für die studentischen Fachschaften eingeplant werden, da diese zukünftig einen Anspruch darauf hätten. Die sechs damalig durch studentische Gruppen im Allgemeinen Verfügungszentrum genutzten Räume sollten zugunsten von Büroeinheiten für Lehrende des Fachbereiches 3 (Sozialwissenschaften: Erziehung und Sozialisation) gestrichen werden, wobei die studentischen Gruppen lediglich drei andere Räume bekommen sollten. Konferenzräume einzelner Fachbereiche sollten zugunsten anderer Nutzungen geräumt werden und auch Lehrbeauftragte sowie Hilfskräfte sollten, wenn sie einen eigenen Raum nutzten, diesen freimachen. Auch Lehrveranstaltungsräume sollten zukünftig nicht mehr einzelnen Fachbereichen zugeordnet, sondern unter allen gleich verteilt werden. Da laut der Kommission insgesamt Arbeitsplätze für 22 Lehrende fehlten würden, konnte sie dem Senat nur noch die "Anmietung eines geeigneten Gebäudes"4 empfehlen. Weitere Räumlichkeiten im Gebäude am Wall müssten durch die Verwaltung so umgestaltet werden, dass sie sowohl von Lehrenden und Studierenden als auch von Reinigungskräften für unterschiedliche Zwecke genutzt werden könnten. Diese Empfehlungen an den Senat weiterzugeben, wurde einige Zeit später von der Kommission abschließend beschlossen.5
Aus einer undatierten, aber dieser Zeit zuzuordnenden Aufstellung ergibt sich letztlich, dass sich nach den zahlreichen Verschiebungen und Zusammenlegungen folgende Räumlichkeiten, Mitarbeiter:innen und Institutionen im Schloss befanden: Der Westflügel wurde hauptsächlich durch die Fachbereiche 1 (Sozialwissenschaften: Produktion und Verteilung, Arbeit und Ausbildung) und 2 (Sozialwissenschaften: Politische Organisation und Internationale Beziehungen) genutzt, die dort Büros und Lehrveranstaltungsräume, aber auch Werkräume nutzten. Ebenso war die Fachschaft Biologie im Westflügel untergebracht. Im Nordflügel wiederum beanspruchte der Fachbereich 7 (Kommunikation/ Ästhetik) einige Räumlichkeiten. Ebenso standen fast alle Räume im dritten Obergeschoss des Hauptgebäudes dem Fachbereich 7 zur Verfügung. Dort gab es wie schon zu Zeiten der Pädagogischen Hochschule einige Musikzellen. Im zweiten Obergeschoss des Hauptgebäudes war überwiegend der Fachbereich 2 vertreten, wobei die Lehrveranstaltungsräume auch durch andere Fachbereiche genutzt wurden. Aus der Aufstellung wird nicht ersichtlich, ob der Allgemeine Studierendenausschuss im Schloss bleiben konnte und wie sich die Raumplanung im Ostflügel gestaltete.6

Fotografien von der Ablegung des Rechenschaftsberichts des Rektors und der Senatssitzung 1978
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2010/032 Nr. 7.
Insgesamt zeigt sich, dass die Orte und Gebäude, an und in denen die Universität untergebracht war, bereits in den ersten Jahren nach ihrer Gründung zu zentralen Aushandlungspunkten wurden. Insbesondere das Schloss war ein solcher Ort. Zwar hatte es unmittelbar nach der Gründung der Universität den Status als Zentrale inne, konnte aber bei Weitem nicht alle Anforderungen decken. 1978 sah sich der Rektor der Universität, Manfred Horstmann, gezwungen, einen Rechenschaftsbericht über die Lage der Universität anzufertigen. Darin stellte er fest, dass sich die Universität 1978 "in einer außerordentlich kritischen Phase ihres Ausbaus"7 befand. Horstmann kritisierte vor allem die Landesregierung, die ihmzufolge zu unkonkrete Entscheidungen über den Hochschulausbau treffe. Dies würde es der Universität aufs Vielfache erschweren, Planungen zu realisieren und den Ausbau voranzutreiben. Ebenso behindere der Platzmangel und die Unsicherheit über Ausbauvorhaben den Forschungs- und Lehrbetrieb. Auch die Einrichtung neuer Fachbereiche könne unter diesen Umständen nicht mit gutem Gewissen geschehen, da sich der Platzmangel so nur noch weiter verschärfen würde. Zum Abschluss des Berichtes sprach der Rektor all denjenigen, die die Universität bisher unterstützt haben, einen Dank aus und verdeutlichte erneut, dass trotz der Schwierigkeiten das Ziel des Ausbaus nicht aus den Augen verloren werden dürfe.8

Auszug aus den Pressemitteilungen über die ersten Universitätstage
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2018/67 Nr. 5.
Der Platzmangel in der Zentrale der Universität machte sich auch in der Realisierung von Veranstaltungen bemerkbar. Im Oktober 1977 fand die 'Konferenz für Geschichtsdidaktik' in Osnabrück statt: An vier Tagen wurden verschiedene Fragen zum Thema 'Geschichte in der Öffentlichkeit' diskutiert. Aus dem Programm wird deutlich, dass diese Konferenz nicht unbedeutend war. Neben internationalen Gästen referierten auch Personen aus Osnabrück und der Umgebung. Unter den Referent:innen befanden sich zudem noch heute sehr bekannte Forscher:innen, wie beispielsweise Jörn Rüsen. Die Eröffnung der Konferenz fand in der Schlossaula statt, während fast alle weiteren Vorträge und Diskussionsrunden in verschiedenen Hörsälen des Erweiterungsgebäudes abgehalten wurden.9 Die Eröffnungsfeier der ersten Universitätstage hingegen fand im Erweiterungsgebäude statt. Ebenso wurden die scheinbar größeren Vorträge an den ersten beiden Tagen in dessen Räumlichkeiten gehalten. Im Rahmen der Universitätstage stellten sich auch die einzelnen Fächer vor. Diese Vorstellungen fanden wiederum in Seminarräumen im Schloss statt. Weitere Veranstaltungen darüber hinaus wurden unter anderem auch im Allgemeinen Verfügungszentrum angeboten. Die "AStA-Informations-Fete"10 durfte tatsächlich im Schloss stattfinden, was auch darauf hindeutet, dass der Studierendenausschuss 1977 noch mit eigenen Räumlichkeiten im Schloss untergebracht war. 1978 fand in der Aula des Schlosses die erste Aufführung des Theaterstücks 'Calico' von Shakespeare statt. In der Pressemitteilung zu diesem Ereignis heißt es: "Eine 'Welturaufführung' für Osnabrück."11. Das neueingerichtete Fach Geschichte stellte sich zum Jahresende 1980 mit einer Vortragsreihe in wechselnden Seminarräumen des Schlosses "zur spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtgeschichte"12 vor. Anfang Juni 1986 wurde von der Universität eine Informationsveranstaltung über die Risiken der Tschernobyl-Katastrophe angeboten. Diese Veranstaltung zu einem solch weitreichendem Ereignis hatte für die Universitätsleitung scheinbar aber nicht ausreichend Relevanz, um sie im Schloss abzuhalten. Stattdessen wurde die Veranstaltung im Erweiterungsgebäude durchgeführt. Auch eine dann noch folgende Informationsveranstaltung zu Ausstiegsmöglichkeiten aus der Kernenergie fand im Erweiterungsgebäude statt.13
Fotografien und Pressemitteilungen von der Aufführung des Theaterstücks 'Calico' in der Aula des Schlosses Osnabrück
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2010/032 Nr. 7.
In den Jahren nach der Gründung der Universität Osnabrück und der Etablierung ihrer Zentrale im Schloss hatte dieses auf verschiedene Ebenen unterschiedliche Bedeutungen. Schon in den 1970er-Jahren konnte das Schloss die verschiedenen Anforderungen, die an dieses Gebäude gestellt wurden, nicht mehr oder nur unzureichend erfüllen. Immer wieder wurde daher über die Räumlichkeiten im Schloss und deren Nutzung diskutiert. Als Ort, an dem zentrale Mitarbeiter:innen, die Verwaltung, aber auch andere Institutionen und Räumlichkeiten untergebracht werden sollten, hatte es eine große Bedeutung. Als Ort für wichtige Veranstaltungen war das Schloss weniger bedeutsam.
_________________________________________________________________
Inhaltlich verantwortlich: Lea Horstmann
[1] NLA OS, Dep 103, Akz. 41/92 Nr. 296.↩
[2] Vgl. ebd.↩
[3] Ebd.↩
[4] Ebd.↩
[5] Vgl. ebd.↩
[6] Vgl. ebd.↩
[7] NLA OS, Dep 103, Akz. 2012/040 Nr. 16.↩
[8] Vgl. ebd.↩
[9] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 2018/67 Nr. 5.↩
[10] Ebd.↩
[11] Ebd.↩
[12] NLA OS, Dep 103, Akz. 2012/040 Nr. 16..↩
[13] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 2012/040 Nr. 4; NLA OS, Dep 103, Akz. 2012/040 Nr. 4.↩

