Das Schloss Osnabrück nach 1945

Bis das Schloss Osnabrück 1974 offiziell zum zentralen Standort der Universität Osnabrück werden konnte, durchlief es verschiedene Phasen. In diesem Ausstellungsmodul werden die verschiedenen Phasen nach 1945 bis zur Eingliederung der Universität in das Schloss betrachtet. Die Nutzung des Schlosses durch die Geheime Staatspolizei zur Zeit des Nationalsozialismus und die Aufarbeitung dieser Episode wird gesondert betrachtet.

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Erläuterungsbericht über den Zustand des Schlosses im Dezember 1946
Quelle: NLA OS, Rep 660, Akz. 2011/080 Nr. 16.

Das Schloss Osnabrück wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe stark zerstört. Dennoch versuchten bereits unmittelbar nach Kriegsende verschiedene Institutionen, Behörden oder auch Einzelpersonen das Schloss für sich zu beanspruchen. Der Geheime Regierungsrat bemühte sich, das Schloss erneut zu einem Kulturzentrum zu machen, wie es auch vor dem Krieg schon genutzt wurde. Andere Institutionen und Behörden – beispielsweise die Post oder das Katasteramt – ließen sich direkt in den noch nutzbaren Räumen des Schlosses nieder, die insbesondere im Westflügel vorzufinden waren.1 

Trotz des Umstandes, dass sich in den noch nutzbaren Räumen des sonst zerstörten Gebäudes bereits wieder Institutionen und Behörden niedergelassen hatten, scheint im Jahr 1946 ein Wiederaufbau des Schlosses nicht in Betracht gezogen worden zu sein. Regierungs- und Baurat Henry hält in dem abgebildeten Erläuterungsbericht fest: "Ein Ausbau zur Wiederverwendung der Räume ist bisher nicht vorgesehen."2 Zwar wurde nicht unmittelbar nach Kriegsende mit einem Wiederaufbau begonnen, wie in dem Schreiben aber auch deutlich wird, wurden ab 1946 erste Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Auch danach zeigten verschiedene Institutionen und Personen an einem Wiederaufbau des Schlosses interessiert. Aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen konnte sich jedoch nicht auf eine Nutzung des Schlosses geeinigt werden, sodass die umfangreichen Baumaßnahmen zum Wiederaufbau 1949 ohne Nutzungskonzept begannen.3 

Anfang 1950 wurde eine Nutzung des Schlosses wieder in den Blick genommen und über die Unterbringung der Pädadogischen Hochschule im Schloss Osnabrück nachgedacht. Nach einigen Diskussionen einigten sich die beteiligten Parteien auf das Schloss als zukünftigen Sitz der Hochschule. Um die Unterbringung zu realisieren, musste das Schloss allerdings umfangreich umgebaut werden. Wiederauf- und Umbau wurden in der Folge entsprechend einer Nutzung durch die Pädagogische Hochschule fortgesetzt.4 

Anders als der heutigen Universität standen der Pädagogischen Hochschule allerdings nur das Schloss und das Erweiterungsgebäude zur Verfügung, weshalb alle wichtigen Einrichtungen in zwei Gebäuden untergebracht werden mussten. Die Baupläne für die Umbaumaßnahmen im Jahr 1951 zeigen, welche Personen, Einrichtungen und Räumlichkeiten zukünftig im Schloss untergebracht werden sollten:

  1. Vgl. Switala, Bruno: Der Schloßkomplex. Chronik seiner Zerstörung, in: Franz-Joachim Verspohl/ Ansgar Westermeyer (Hrsg.): Das Osnabrücker Schloß. Stadtresidenz, Villa, Verwaltungssitz (Osnabrücker Kulturdenkmäler, Bd. 5), Bramsche: Rasch 1991, S. 301–314, hier S. 310; Uhrmacher, Erwin: Vom Collegeensemble zum Universitätszentrum. Der Wiederaufbau des Schlosses, in: Franz-Joachim Verspohl/ Ansgar Westermeyer (Hrsg.): Das Osnabrücker Schloß. Stadtresidenz, Villa, Verwaltungssitz (Osnabrücker Kulturdenkmäler, Bd. 5), Bramsche: Rasch 1991, S. 315–340, hier S. 315.

  2. NLA OS, Rep 660, Akz. 2011/080 Nr. 16.

  3. Vgl. Switala, Schloßkomplex 1991, S. 310; Uhrmacher, Collegeensemble 1991.

  4. Vgl. ebd.

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Bauplan für den Schloss-Umbau des Erdgeschosses 1951
Quelle: NLA OS, Rep 660, Akz. 2011/080 Nr. 18.

Im Ergeschoss des Hauptgebäudes sollten wichtige Veranstaltungsräume, in denen sich die Pädagogische Hochschule repräsentieren konnte, untergebracht werden. Dafür entstand hinter dem großen Eingangsbereich eine Aula und im linken Gebäudeteil zwei Beratungs- bzw. Ausstellungsräume. Ebenso wurde im linken Gebäudeteil ein großer Musiksaal eingerichtet. Die Räume in den anderen drei Schlossflügeln wurden sehr unterschiedlich genutzt: Im Erdgeschoss des Ostflügels sollte die Bibliothek mit ihren verschiedenen Räumen, wie einem Ausgabebereich oder einem Lesesaal, untergebracht sein. Eine Mensa und die dazugehörige Küche, aber auch der Rektor und die Geschäftsstelle wurden im gegenüberliegenden Erdgeschoss des Westflügels angesiedelt. Für das Erdgeschoss des Nordflügels sind im Bauplan zwei "Tagesr[ä]um[e]" und zwei "Zimmer"5 verzeichnet. Der Schriftzug "Hausmeister"6 scheint allerdings auf eine anderweitige Nutzung dieser Räumlichkeiten hinzuweisen.

  1. NLA OS, Rep 660, Akz. 2011/080 Nr. 18.

  2. Ebd.

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Bauplan für den Schloss-Umbau des ersten Obergeschosses 1951
Quelle: NLA OS, Rep 660, Akz. 2011/080 Nr. 18.

Im ersten Obergeschoss wurden Räume eingerichtet, die primär dem Lehrbetrieb der Pädagogischen Hochschule dienten. Im Hauptgebäude waren dies Seminarräume und Büros für die Dozierenden. Ein großer Hörsaal befand sich im Westflügel des Schlosses, in dem ansonsten Räume für die Fächer Biologie und Physik, eine Werkstatt sowie Büros eingerichtet waren. Im Ostflügel bestanden überwiegend Räume für technische Arbeiten, wie ein "Zeichensaal", ein "Werkraum [für] Pappe" und ein "Werkraum [für] Holz [und] Metall"7 . Im Nordflügel gab es eine Lehrküche und einen Speiseraum, daneben aber auch einen Raum für den Studierendenausschuss. Ebenso – und dies erscheint im Vergleich zu heute sehr ungewöhnlich – war im Nordflügel eine Wohnung eingerichtet, die für externe Lehrende oder auch "Verwaltungsarbeiter"8 gedacht war. 

  1. Ebd.

  2. Ebd.

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Bauplan für den Schloss-Umbau des zweiten Obergeschosses 1951
Quelle: NLA OS, Rep 660, Akz. 2011/080 Nr. 18.

Die zweiten Obergeschosse des Ost- und Westflügels dienten den Plänen zufolge der Unterbringung von Studierenden. In dem Bauplan ist für jedes Zimmer in diesen Obergeschossen "2 Stud."9 vermerkt. Im zweiten Obergeschoss des Hauptgebäudes hatten wiederum einzelne Fächer ihre Räumlichkeiten. Daneben wurde mit zwei großen Hörsälen geplant. Im dritten Obergeschoss des Hauptgebäudes standen den Musiker:innen zahlreiche "Orgelzellen", "Vorspielräume"  und "Klavierzellen"10 zur Verfügung. Die anderen Einheiten im dritten Obergeschoss dienten als Büro- und Archivräume. 

Nach der Fertigstellung dieser Baumaßnahmen konnte das Schloss im November 1953 durch die Pädagogische Hochschule bezogen werden.

  1. Ebd.

  2. Ebd.

Raumprogramm über den Ausbau der Pädagogischen Hochschule Osnabrück 1969
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 78.

Bevor die Universität Osnabrück im Schloss ihren Hauptsitz einnahm, wurde das Gebäude 1970 erneut umgebaut. Im Voraus der Umbaumaßnahmen wurde ein Raumprogramm angefertigt, das folgende Räumlichkeiten vorsah: Der Musiksaal, die Aula und der Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Hauptgebäudes sollten bestehen bleiben, im ersten Obergeschoss sollten die Verwaltung und die Evangelische Theologie, im zweiten Obergeschoss Hörsäle und das "Gesellschaftswissenschaftliche Zentrum"11 untergebracht werden. Ebenso sollte das Fachgebiet Deutsch dort seinen Platz finden. In der dritten Etage wurden den Fachgebieten Geografie und Heimatkunde sowie Musik einige Räume zur Verfügung gestellt, dort befanden sich aber auch Dozierenden- und Assistent:innenzimmer. Im sogenannten "Mensaflügel"12, dem Westflügel des Schlosses, befand sich seit 1951 eine Mensa. Laut der Aufstellung für die Umbaumaßnahme 1970 sollten dort fortan neben der Mensa vor allem Werkräume entstehen. Im Erdgeschoss und Keller des Westflügels wurde das Fachgebiet Werken mit einigen Räumen untergebracht. Auch im ersten Obergeschoss sollten Räume für die Fachgebiete Hauswerk und Textiles Gestalten eingerichtet werden. Im sogenannten "Uhrenflügel"13, dem Ostflügel des Schlosses, sollte der Allgemeine Studierendenausschuss ein Geschäfts- und ein Sitzungszimmer bekommen. Im Nordflügel des Schlosses sollten wohnungsähnliche Räume, vermutlich zur Unterbringung von Personal, eingerichtet werden.14 Von dieser Umbaumaßnahme im Jahr 1970 profitierte die Pädagogische Hochschule nicht allzu lange; bereits Anfang der 1970er-Jahre wurden erste Überlegungen angestellt, in Osnabrück eine Universität einzurichten.

  1. NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 78.

  2. Ebd.

  3. Ebd.

  4. Vgl. ebd.

Auch im Kontext der Planungen der Universität spielte das Schloss als Ort wieder eine zentrale Rolle. "Im März 1971 konstituiert[e] sich ihr Gründungsausschuß im Schloß."15 Damit wurde das Schloss selbst zu dem zentralen Ort der Aushandlungen über die Universität Osnabrück. Einige Zeit später – vermutlich im Jahr 1973 – zog der Gründungsausschuss aus dem Schloss aus und tagte von dem Zeitpunkt an in der Fachhochschule am Westerberg. Zimmer vermutet, dass damit die Abneigung zur Pädagogischen Hochschule offenbart werden sollte. Trotz diverser Streitpunkte wurde die Universität Osnabrück 1974 gegründet und hatte fortan ihren Hauptsitz im Schloss. Neben dem Schloss gehörte lediglich noch das Erweiterungsgebäude zum Standort Innenstadt.16

  1. Zimmer, Wendelin: Turbulente Zeiten. Ein Lesebuch zur Geschichte der Universität Osnabrück, Osnabrück: Univ. Verl. Rasch 1999, S. 11.

  2. Vgl. ebd., S. 27.

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Inhaltlich verantwortlich: Lea Horstmann

[1] Vgl. Switala, Bruno: Der Schloßkomplex. Chronik seiner Zerstörung, in: Franz-Joachim Verspohl/ Ansgar Westermeyer (Hrsg.): Das Osnabrücker Schloß. Stadtresidenz, Villa, Verwaltungssitz (Osnabrücker Kulturdenkmäler, Bd. 5), Bramsche: Rasch 1991, S. 301–314, hier S. 310; Uhrmacher, Erwin: Vom Collegeensemble zum Universitätszentrum. Der Wiederaufbau des Schlosses, in: Franz-Joachim Verspohl/ Ansgar Westermeyer (Hrsg.): Das Osnabrücker Schloß. Stadtresidenz, Villa, Verwaltungssitz (Osnabrücker Kulturdenkmäler, Bd. 5), Bramsche: Rasch 1991, S. 315–340, hier S. 315.

[2] NLA OS, Rep 660, Akz. 2011/080 Nr. 16.

[3] Vgl. Switala, Schloßkomplex 1991, S. 310; Uhrmacher, Collegeensemble 1991.

[4] Vgl. ebd..

[5] NLA OS, Rep 660, Akz. 2011/080 Nr. 18.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 78.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Vgl. ebd.

[15] Zimmer, Wendelin: Turbulente Zeiten. Ein Lesebuch zur Geschichte der Universität Osnabrück, Osnabrück: Univ. Verl. Rasch 1999, S. 11.

[16] Vgl. ebd., S. 27.