Was bleibt heute vom Radikalenerlass?

Was von Radikalenerlass bleibt, sind 1.250 abgelehnte Bewerber:innen sowie 265 Personen, die bereits in einem Arbeitsverhältnis standen und nachträglich entlassen wurden. Ein beachtlicher Teil von ihnen musste erzwungenermaßen das Berufsfeld wechseln, nicht wenige nahmen schließlich Tätigkeiten als Hilfsarbeiter:innen wahr, die deutlich schlechter vergütet waren. In langwierigen Gerichtsverfahren erhielten zwar etwa acht von zehn Betroffenen nachträglich Recht zugesprochen, allerdings leiden diese zum Teil noch heute unter Renteneinbußen.1

Erst im Dezember 2016 richtete das Land Niedersachsen eine Kommission zur Aufarbeitung des Radikalenerlasses ein. In ihrem Bericht kommt die Kommission zu dem Schluss, dass eine vollständige Rehabilitierung der Opfer noch nicht erfolgt sei.2  Götz Rowher kehrte nicht an die Universität Osnabrück zurück, sondern hält heute den Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche Methodenlehre und Sozialstatistik an der Universität Bochum.

  1. Jelpke, Ulla: Stockende Aufarbeitung. Parlamentarische Initiativen zur Wiedergutmachung des Berufsverbotsunrechts stoßen auf Widerstand, doch es gibt auch Lichtblicke, in: Heinz-Jung-Stiftung (Hrsg.): Wer ist denn hier der Verfassungsfeind! Radikalenerlass, Berufsverbote und was von ihnen geblieben ist, Köln: Pappy Rosa Verlag 2019, S. 170–179, hier S. 170f.

  2. Knauer, Wilfried: Der Radikalenerlass in Niedersachsen 1972 bis 1990. Möglichkeiten und Grenzen eines Aufarbeitungsprojekts, in: Edgar Wolfrum (Hrsg.): Verfassungsfeinde im Land? Der Radikalenerlass von 1972 in der Geschichte Baden-Württembergs und der Bundesrepublik, Göttingen: Wallstein Verlag 2022, S. 473–529, hier S. 472f.

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Inhaltlich verantwortlich: Claas Markwart

[1] Jelpke, Ulla: Stockende Aufarbeitung. Parlamentarische Initiativen zur Wiedergutmachung des Berufsverbotsunrechts stoßen auf Widerstand, doch es gibt auch Lichtblicke, in: Heinz-Jung-Stiftung (Hrsg.): Wer ist denn hier der Verfassungsfeind! Radikalenerlass, Berufsverbote und was von ihnen geblieben ist, Köln: Pappy Rosa Verlag 2019, S. 170–179, hier S. 170f.

[2] Knauer, Wilfried: Der Radikalenerlass in Niedersachsen 1972 bis 1990. Möglichkeiten und Grenzen eines Aufarbeitungsprojekts, in: Edgar Wolfrum (Hrsg.): Verfassungsfeinde im Land? Der Radikalenerlass von 1972 in der Geschichte Baden-Württembergs und der Bundesrepublik, Göttingen: Wallstein Verlag 2022, S. 473–529, hier S. 472f.