WkStV Unitas Sugambria zu Osnabrück

Die Überlieferungen des Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereins Unitas Sugambria zu Osnabrück bieten Einblicke in den Gründungsprozess einer Studentenverbindung. Einen Bericht über die vorbereitenden Abläufe veröffentlichte Lothar Schmieding erstmals in der Verbandszeitschrift 1978, der 1999 im Rahmen einer Festschrift erneut herausgegeben wurde. Neben einem Überblick der Geschichte der Unitas Sugambria in Osnabrück formuliert Schmieding einen Leitfaden für die Gründung einer Aktivitas für andere Altherrenzirkel. Den Gründungsprozess des Unitas Sugambria teilt Schmieding in verschiedene Phasen ein.

Vorüberlegungen des Altherrenzirkels Osnabrück (1980–1983)
Vor der Gründung wurden zunächst verschiedene Gelingensfaktoren begutachtet. Diese reichten von den religiösen und gesellschaftlichen bis hin zu den logistischen Gegebenheiten vor Ort in Osnabrück. Erstere wirkten für den katholischen Unitasverband wenig motivierend: In der Region lebten überwiegend nicht-katholische Christen und auch an der Universität fehlte eine klassische katholisch-theologische Fakultät. Hinzu kam laut Schmieding, dass die jüngere Generation eine kritische Haltung gegenüber der Kirche besessen und damit auch eine gewisse Distanz zu ihr gewahrt hätte. Demgegenüber wurde die Möglichkeit einer funktionierenden Ökumene als Chance für den Fortbestand einer modernen christlichen Gemeinschaft angesehen. Osnabrücks Lage als überregionales Großhandels- und Einkaufszentrum mit einer abwechslungsreichen Freizeitkultur und Universitätsstandort bewertete Schmieding ebenso positiv. Die Tatsache, dass bereits andere Korporationen in Osnabrück angesiedelt waren, wurde als positiv aufgefasst, auch wenn diese sich bisher kaum festigen konnten. Als unerlässlich für die Gründung wurden jedoch die eigenen Verbindungsstrukturen in der Region erachtet – der Altherrenzirkel war in Osnabrück gefestigt ebenso wie die Verbindungen und Altherrenvereine in Münster.1

Auf dem in Osnabrück stattfindenden Regionaltreffen Nord schlugen Aktive 1981 erstmals eine neue Studentenverbindung in Osnabrück vor. Von dem Osnabrücker Altherrenzirkel wurde ein Lenkungsausschuss einberufen, welcher die Gründung einer Verbindung vorbereiten sollte. Die Aktiven der Münsterischen Verbindungen sagten für das Wintersemester 1983/84 ihre Unterstützung bei der Gewinnung von Mitgliedern zu. Der Altherrenverein Wiking-Sugambria Münster, welcher derzeit keine aktive Verbindung besaß, sagte seine Patenschaft für die zu gründende Verbindung in Osnabrück zu. Angesicht der Unterstützung umliegender Verbindung und des Dachverbandes schlug der Lenkungsausschuss im Herbst 1983 den Gründungsversuch vor.2

Gründung (1983/84)
Die Rekrutierung von Mitgliedern für die neue Verbindung in Osnabrück wurde von 15 Aktiven aus Münsterischen Verbindungen unterstützt. Zunächst versuchte man es innerhalb der eigenen Verbandsstruktur: Mitglieder des Dachverbands wurden um die Adressen ihrer in Osnabrück studierenden Söhne gebeten. Da diese Anfragen erfolglos blieben, wurde im November 1983 direkt in Osnabrück geworben. Doch auch zwei großangelegte Plakataktionen sowie Werbung unter katholischen Abiturienten und Soldaten der hiesigen Garnison zeigten keine Resonanz. Als effektiver erwies sich dagegen der direkte Kontakt zu Studenten. Hierzu wurden im November und Dezember 1983 unter dem Motto 'Unitas stellt sich vor' Infostände vor den Mensen und der Kirchentür aufgebaut, infolgedessen immerhin vier Interessierte gewonnen werden konnten. In Münster wurden die Interessenten in das Unitarische Verbindungsleben eingeführt, sodass am 15. Februar 1984 eine neue Verbindung in Osnabrück konstituiert werden konnte. Der Wissenschaftliche Katholische Studentenverein Unitas Osnabrück bestand bei seiner Gründung aus drei Füxen sowie einem Aktiven.3 Die Aufnahme in den Unitas-Verband erfolgte am 22. Juni 1984.4 

Konsolidierung (1984–1987)
Bevor an Wachstum gedacht werden konnte, mussten die vier Gründungsmitglieder erst stärker in die Unitas-Verbandsstrukturen und die lokalen Strukturen in Osnabrück eingebunden werden. So gab es zunächst viele gemeinsame Veranstaltungen mit den Alten Herren vor Ort sowie mit Verbindungen in Münster, Hannover und anderen Korporationen des Dachverbands. Beim offiziellen Publikationsfest des Unitas Osnabrück waren Mitglieder aus 14 anderen Verbindungen vertreten und hießen die Neuankömmlinge willkommen. Von großer Bedeutung war dabei die Patenschaft der Alten Herren der Münsterischen Wiking-Sugambria, welche den Unitas Osnabrück alleine in der Zeit von 1983 bis 1987 mit ungefähr 12.000 DM unterstützten. Gleichzeitig wurden Maßnahmen getroffen, um die neue Verbindung auch in Osnabrück zu festigen und zu integrieren. So wurde der Kontakt zur Universität, der katholischen Hochschulgemeinde und dem Priesterseminar sowie zu anderen Korporationen aufgebaut. Ein wichtiger Faktor der Festigung war die Anmietung eines eigenen Verbindungshauses im Jahr 1986. Hierdurch wurde den Aktiven eine örtliche Konstante geschaffen, von der man sich ebenfalls versprach, dass sie die schwierige Keilarbeit erleichtern würde. Der Einzug sowie die Einweihungsparty des Verbindungshauses in der Natruper Straße 4 erfolgten im Wintersemester 1986/87.5 Anfänglich bot das Haus Platz für drei Aktive sowie drei katholische Studenten. Durch Ausbau und Renovierungen wurde die Zimmeranzahl in den kommenden Jahren auf 13 erhöht. 1991 konnte das Haus durch den Hausbauverein der Alten Herren erworben werden.6 In die Phase der Konsolidierung fällt außerdem ein wichtiges Ereignis für die Identität der Unitas Osnabrück. Wie bereits oben geschildert, wurde der Unitas Osnabrück stets vom Altherrenverein der Unitas Wiking-Sugambria aus Münster unterstützt. Aufgrund dieser engen Bindung entschied sich der Unitas Osnabrück 1986 dazu, die Tradition der Unitas Sugambria aus Münster zu übernehmen und sich von nun an W.K.St.V Unitas Sugambria zu Osnabrück zu nennen. Weiterhin wurde nicht nur das Gründungsjahr von 1899, sondern auch die Geschichte der Unitas Sugambria zu Münster übernommen, auf welche sich der Unitas Sugambria zu Osnabrück heute noch beruft.7

Der Unitas Sugambria in den 1990er-Jahren
In den Jahren 1990/91 sowie 1995/96 stellte der Unitas Sugambria den sogenannten Vorort; er war in diesem Zeitraum also die geschäftsführende Verbindung des Verbandes. Ab 1991 engagierte er sich für den Bau eines Kinder- und Jugendheims in Markkleeberg, bis 1997 unterstützte der Unitas-Verband unter besonderer Mitarbeit und Initiative des Unitas Sugambria den Caritas-Verband bei der Finanzierung und Errichtung. Schirmherr war der damalige aus Osnabrück stammende Bundesinnenminister und Unitarier Rudolf Seiters. Bis 1997 gelang es, insgesamt 604.172 DM Spendengelder für das Projekt zu sammeln.8 In die nächste Amtszeit als Vorort von 1995/96 fiel die Frage der Zulassung von Studentinnenvereinen im Unitas-Verband. Der Unitas-Sugambria Osnabrück hatte bereits bei der ersten Abstimmung für die Aufnahme von Studentinnenvereinen in den Dachverband gestimmt. Auf der Generalversammlung im Mai 1996 wurde die Zulassung mit knapper Dreiviertelmehrheit beschlossen und in einer zweiten Abstimmung mit deutlicherem Ergebnis bestätigt.9 

  1. Vgl. Schmieding, Lothar: Modell Osnabrück. Die Erstgründung einer Korporation. in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 90–99, hier S. 92.

  2. Vgl. ebd., S. 93–94.

  3. Vgl. ebd., S. 94–96; Gladen, Paulgerhard: Die deutschsprachigen Korporationsverbände. Hilden: WJK-Verlag 2007, S. 377, Anm. 83; Gladen, Gaudeamus igitur. Die studentischen Verbindungen einst und jetzt. München: Callwey 1986, S. 227.

  4. Vgl. Gladen, Korporationsverbände 2007, S. 374.

  5. Vgl. Schmieding, Modell 1999, S. 96–99; Beckmann, Andreas: 1985 bis 90. Ein Blick auf das Pioniersemester, in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 105–113, hier S. 107–110.

  6. Vgl. Lüerßen, Dirk: Das Unitas-Haus Natruper Straße 4. In: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 114–118, hier S. 114–116.

  7. Vgl. Schmieding, Modell 1999, S. 98; Beckmann 1999, S.108; Lüerßen, Dirk: Chronologie der Unitas Sugambria und der Unitas in Osnabrück, in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 134–139, hier S. 138.

  8. Vgl. Meyer, Martin: Das Soziale Projekt der Unitas 1991 bis 1997. Damit Kinder nicht allein bleiben, in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 119–122; O. A.: Die Unitas und der AKZ in Osnabrück. Unter Verwendung von Beiträgen der AHZ-Vorsitzenden Bernahrd Hardinghaus und Dr. Lothar Schmieding, in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 125–133, hier S. 131–133.

  9. Vgl. o. A.: Sugambria in den 90ern. In: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 123–124; O. A., Unitas 1999, S. 131–132.

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Inhaltlich verantwortlich: David Schober 

[1] Vgl. Schmieding, Lothar: Modell Osnabrück. Die Erstgründung einer Korporation. in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 90–99, hier S. 92.

[2] Vgl. ebd., S. 93–94.

[3] Vgl. ebd., S. 94–96; Gladen, Paulgerhard: Die deutschsprachigen Korporationsverbände. Hilden: WJK-Verlag 2007, S. 377, Anm. 83; Gladen, Gaudeamus igitur. Die studentischen Verbindungen einst und jetzt. München: Callwey 1986, S. 227.

[4] Vgl. Gladen, Korporationsverbände 2007, S. 374.

[5] Vgl. Schmieding, Modell 1999, S. 96–99; Beckmann, Andreas: 1985 bis 90. Ein Blick auf das Pioniersemester, in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 105–113, hier S. 107–110.

[6] Vgl. Lüerßen, Dirk: Das Unitas-Haus Natruper Straße 4. In: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 114–118, hier S. 114–116.

[7] Vgl. Schmieding, Modell 1999, S. 98; Beckmann 1999, S.108; Lüerßen, Dirk: Chronologie der Unitas Sugambria und der Unitas in Osnabrück, in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 134–139, hier S. 138.

[8] Vgl. Meyer, Martin: Das Soziale Projekt der Unitas 1991 bis 1997. Damit Kinder nicht allein bleiben, in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 119–122; O. A.: Die Unitas und der AKZ in Osnabrück. Unter Verwendung von Beiträgen der AHZ-Vorsitzenden Bernahrd Hardinghaus und Dr. Lothar Schmieding, in: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 125–133, hier S. 131–133.

[9] Vgl. o. A.: Sugambria in den 90ern. In: Dirk Lüerßen/ Thomas Weimann (Hrsg.): W.k.St.V. Unitas Sugambria. Gestern, heute, morgen, Mülheim an der Ruhr: Weimann presse & verlag 1999, S. 123–124; O. A., Unitas 1999, S. 131–132.