Arbeitsgruppe Stadt/Uni/FH
Maßnahmen werden ergriffen
Um die Universität und die Hochschule in die Stadt(-gesellschaft) zu integrieren, nutzt die städtische Verwaltung eine Methode, welche in dieser Form in Deutschland bis dahin nicht bestand. 1979 wurde die 'Arbeitsgruppe Stadt/ Universität', seit 1981 'Arbeitsgruppe Stadt/Universität/Fachhochschule' geründet.1 Unter der Geschäftsleitung der damals 25-jährigen Leonie Baumann kamen von 1979 bis 1985 Vertreter:innen der Universität, Hochschule, Stadt, den Gemeinden, des Studentenwerks und weiteren Akteur:innen des politischen und bürgerschaftlichen Engagements zusammen, um den Austausch zwischen den Bewohner:innen und der Universität zu fördern.2 1985 zog Baumann nach Berlin, fortan leitete der damals 33-jährige Martin Fischer die Arbeitsgruppe.3
Leonie Baumann als Geschäftsleiterin der Arbeitsgruppe
Für die Gründung der Arbeitsgruppe schätzt Baumann neben dem Interesse an einem möglichst engen Austausch zwischen Stadt und Universität vor allem die in der Osnabrücker Bevölkerung vorherrschende Skepsis gegenüber der Universität als ausschlaggebend ein. Aus den politischen Debatten und der Sorge, die Universität könne sich im politischen Spektrum zu links positionieren – dies sei eher hinter vorgehaltener Hand kommuniziert worden – sei schließlich die Arbeitsgruppe entstanden. Die Arbeitsgruppe diskutierte unter anderem Fragen danach, die Verankerung der Hochschule im städtischen Bewusstsein gefördert und gestärkt werden könnte, wie sich das Verhältnis zwischen Hochschule und Stadtbevölkerung verbessern lässt oder wie die Universität beim Ankommensprozess von städtischer Seite unterstützt werden könnte.4
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NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 72, Blatt 2.↩
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Vgl. Meyer-Pries, Dirk: Die Bedeutung der Universität für die Stadtentwicklung, in: Rainer Künzel (Hrsg.): Nicht auf Sand gebaut. Beiträge zur Gründung und Entwicklung der Universität Osnabrück, Osnabrück: Meinders und Elstermann 1990, S. 248–261, hier S. 259.↩
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NLA OS, NOZ-Archiv, Mappe „Arbeitsgruppe Stadt/Uni/FH“, NOZ-Artikel vom 20.08.1985.↩
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Interview mit Leonie Baumann, 15.10.2024.↩

Hinweisschilder zu den Standorten der Universität und Hochschule Osnabrück, 2024
Foto: Ricarda Ahlers
Sichtbarkeit der Universität im Stadtbild
Die Standorte Innenstadt und Westerberg sind heute aus Osnabrücks Stadtbild kaum wegzudenken. Die meisten Bewohner:innen könnten vermutlich in eine grobe Richtung weisen, fragte man sie auf der Straße nach dem Weg. Dass dies zur Anfangszeit der Universität nicht unbedingt der Fall war, scheint unvorstellbar. Doch auch scheinbar banale Dinge wie Hinweis- und Straßenschilder mussten zunächst aufgestellt werden, damit Bürger:innen überhaupt wussten, wo die Universität zu finden war und welche Gebäude von dieser genutzt wurden.
Sichtbarkeit der Universität in der Stadtgesellschaft
Auch wussten viele Bürger:innen zunächst nicht, was genau die Universität überhaupt macht und welche Studiengänge sie anbietet. Im vordigitalen Zeitalter waren sie auf analoge Informationswege angewiesen. Somit entstand zunächst ein Flyer der 'Osnabrücker Bürgerinformation', welcher die Universität und die Vorzüge eines Studiums in der Stadt vorstellen sollte. Neben der Kontaktaufnahme mit den Osnabrücker Bürger:innen verfolgte die Arbeitsgemeinschaft mit dem Informationsblatt das Ziel, regional und überregional Studierende zu gewinnen.5 Das Faltblatt muss darüber hinaus als Versuch gewertet werden, eine stärkere Verankerung von Lokalbevölkerung, städtischer Verwaltung und Universität herzustellen: Die Arbeitsgruppe wurde vorgestellt als "Ansprechpartnerin in jeder Angelegenheit, die zur Verbesserung des Verhältnisses von Universität und Stadt geeignet scheint"6. Weiterhin wurde um "Anregungen, Ideen und Pläne" sowie "kritische Äußerungen"7 gebeten.
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Interview mit Leonie Baumann, 15.10.2024.↩
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Presse- und Informationsamt der Stadt Osnabrück in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Stadt/Universität (Hrsg.): Leben und Studieren in Osnabrück, in: Osnabrücker Bürger-Information, 7. 1980 [Quelle aus der privaten Sammlung Leonie Baumanns).↩
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Ebd.↩
Ausschnitte aus dem Faltblatt "Leben und Studieren in Osnabrück"
Quelle: Presse- und Informationsamt der Stadt Osnabrück in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Stadt/Universität (Hrsg.): Leben und Studieren in Osnabrück, in: Osnabrücker Bürger-Information, 7. 1980 [Quelle aus der privaten Sammlung Leonie Baumanns].
Vorgehensweise der Arbeitsgruppe
Die Arbeitsgruppe wandte sich in ihrer Bestehensdauer weiteren zahlreichen Aufgaben und Projekten zu, welche sich unter dem Konzept der Öffentlichkeitsarbeit zusammenfassen lassen. Ein Ziel hierbei war, den Osnabrücker:innen die Nutzung der universitären Angebote zu ermöglichen. Durch die Kontaktaufnahme mit den Bürger:innen sollten bestehende Berührungs- und Schwellenängste überwunden und die Akzeptanz der jungen Universität in der Stadtgesellschaft erhöht werden. Dieser Kontakt sollte unter anderem durch ein vielfältiges kulturelles Angebot aufgebaut und gefördert werden.8
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Meyer-Pries, Bedeutung 1990, S. 259.↩
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Inhaltlich verantwortlich: Ricarda Ahlers
[1] NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 72, Blatt 2.↩
[2] Vgl. Meyer-Pries, Dirk: Die Bedeutung der Universität für die Stadtentwicklung, in: Rainer Künzel (Hrsg.): Nicht auf Sand gebaut. Beiträge zur Gründung und Entwicklung der Universität Osnabrück, Osnabrück: Meinders und Elstermann 1990, S. 248–261, hier S. 259.↩
[3] NLA OS, NOZ-Archiv, Mappe „Arbeitsgruppe Stadt/Uni/FH“, NOZ-Artikel vom 20.08.1985.↩
[4] Interview mit Leonie Baumann, 15.10.2024.↩
[5] Interview mit Leonie Baumann, 15.10.2024.↩
[6] Presse- und Informationsamt der Stadt Osnabrück in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Stadt/Universität (Hrsg.): Leben und Studieren in Osnabrück, in: Osnabrücker Bürger-Information, 7. 1980 [Quelle aus der privaten Sammlung Leonie Baumanns].↩
[7] Ebd.↩
[8] Meyer-Pries, Bedeutung 1990, S. 259.↩

