Wissenschaft und Emanzipation: Frauen an der Universität Osnabrück
Die erste Frauenbewegung in Deutschland, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Bildung von Vereinen etablierte, ermöglichte Frauen ab 1901 das Studium an einer Universität. Der rechtliche Zugang zu akademischen Berufen für Frauen war jedoch erst ab 1918 gesichert. Einen entscheidenden Fortschritt in der universitären Bildung von Frauen erlebte Deutschland durch die sozialliberale Reformpolitik der 1970er-Jahren. Echte Gleichberechtigung und die vollständige Beseitigung von Diskriminierung wurden in diesem Prozess aber nicht erreicht, auch nicht an deutschen Hochschulen.1
Dies zeigte sich in den 1970er-Jahren auch in Osnabrück. Angelika Regenbogen-Brünink beschreibt zeichnet in ihrem Aufsatz ein klares Bild von den nach Aufbruch strebenden Osnabrückerinnen bei weiterhin vorherrschenden geschlechtsbezogenen Benachteiligungen: "'Früher spielten die Mädchen Klavier – heute gehen sie zur PH!' So lautete die Überschrift eines Flugblatts zur Bildung einer Frauenemanzipationsgruppe im Jahre 1970. Die Frauenbewegung kam mit zeitlicher Verzögerung nach Osnabrück."2 Die erste Frauenemanzipationsgruppe der Stadt, der 'Arbeitskreis Emanzipation', beschäftigte sich vor allem mit Themen studentischer und berufstätiger Frauen.3 Regenbogen-Brünink weist auf die Diskriminierungen hin, der junge Osnabrücker Studentinnen an der Pädagogischen Hochschule ausgesetzt waren: "In den ersten Gruppensitzungen tauschten wir die für uns belastenden Vorurteile und spezifischen Erfahrungen aus. In einem der Protokolle wurde beispielsweise ein Professor der PH mit den Worten zitiert: 'Warum quälen Sie sich mit der Prüfung? Sie heiraten ja doch bald.'"4 Auch an anderen Stellen wurden geschlechtsspezifische Unterschiede an der Pädagogischen Hochschule festgestellt: "Die Situation von Studentinnen an der PH wird in einem Flugblatt wie folgt beschrieben: 'Von 725 Studierenden sind 440 weiblichen Geschlechts. In allen studentischen Organen in unserer Abteilung sind aber nicht mehr als zwei Studentinnen vertreten. Obwohl sie in der Minderheit sind, tragen hauptsächlich die Studenten die Diskussion in den Seminaren, ASVen (Allgemeine Studenten Vollversammlung).'"5
Wie war es an der Universität Osnabrück in den Anfangsjahren um die Situation der Frau bestellt? Inwiefern war sie ebenfalls Diskriminierungen ausgesetzt, inwiefern gab es aber auch bereits damals feministische Bestrebungen und einen Einbau der Geschlechterforschung in der Lehre? Wie entwickelten sich Angebote wie das Gleichstellungsbüro? Diesen Fragen möchte das folgende Ausstellungsmodul nachgehen.
Zentrale Ereignisse zur Förderung der Geschlechtergleichheit an der Universität Osnabrück
Quelle: Eigene Darstellung.
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Inhaltlich verantwortlich: Anna Schlutter
[1] Vgl. NLA OS, Dep 106, Akz. 29/94 Nr. 33.↩
[2] Regenbogen-Brünink, Angelika: Achtundsechzig und die Folgen. Anfänge der Frauenbewegung in Osnabrück, in: Reiner Wolf (Hrsg.): Protest und Aufbruch. '68' in Osnabrück, Oldenburg: Isensee Verlag 2018, S. 141–143, hier S. 141.↩
[3] Vgl. ebd.↩
[4] Vgl. ebd.↩
[5] Ebd.↩

