Das Wohnheim in der Ritterstraße - Ein ‚Lost Place‘ der Universität
Die Mensa auf dem Innenstadtcampus ist heutzutage ein zentraler Ort der Universität Osnabrück. Das Grundstück am Rande des Schlossgartens beherbergt nun schon seit rund 70 Jahren den Mittelpunkt studentischen Lebens, doch nicht immer lag dieser in der Mensa. Vor deren Bau im Jahr 1981 stand an ihrer Stelle das Justus-Möser-Haus, ein Wohnheim, das für die ehemalige Pädagogische Hochschule erbaut und später von der Universität übernommen wurde.
Als eine der Hauptquellen über das Wohnheim ist dessen Chronik erhalten, die in den Jahren 1954 bis 1965 von den Bewohnenden selbst geführt wurde beziehungsweise von ausgewählten verantwortlichen Personen, den Chronist:innen, welche im Laufe der Jahre wechselten. In dieser Chronik wurden unter anderem wichtige Ereignisse, gemeinsame Aktivitäten, sich entwickelnde Traditionen und Berichte über Renovierungsmaßnahmenfestgehalten. Für jedes Semester sind außerdem Namenslisten aufgeführt, in denen die Studierenden aufgezählt werden, die neu ins Wohnheim ein- oder aus diesem ausziehen. Lehramtsstudierende, die ihre Abschlussprüfung bestanden hatten, wurden genannt und beglückwünscht. Zusätzlich finden sich zahlreiche Fotos, eingeklebte Zeitungsartikel und sogar selbst verfasste Gedichte und Lieder zu bestimmten Anlässen. Insgesamt vermittelt diese Chronik nicht nur Zahlen und Fakten über die Bewohner:innen des Justus-Möser-Hauses, sondern vor allem das dort gelebte Gemeinschaftsgefühl und die Dankbarkeit, für die Dauer des Studiums in dieser kleinen Gemeinschaft wohnen und lernen zu können.1
Dies wird auch vonseiten der Dozierenden widergespiegelt. Prof. Helmuth Kittel schrieb in Bezug auf die wachsenden Studierendenzahlen an der Hochschule im Bericht bei der Direktoratsübergabe am 29. April 1959: "Eine wesentliche Rolle in dieser Richtung hat bei uns die Entwicklung unseres Studentenheims gespielt. Unter der glänzenden Fürsorge seiner Leiterin, seines Kurators und seines ersten Tutors ist aus ihm weit mehr geworden als ein Studentenhotel. Und es leistet für seine Insassen viel von dem, was die Hochschule selbst für sie nicht mehr zu leisten in der Lage ist."2 Auf den folgenden Seiten soll die Geschichte des Wohnheims von seinen Anfängen im Jahr 1953 bis zu seinem umstrittenen Abriss 1981 zusammengetragen werden.



