Gleichberechtigung im frühen Universitätsalltag

Bericht vom Bielefelder Frauenkongress 1978
Quelle: NLA OS, Dep 106, Akz. 29/1994 Nr. 37.

Um die Situation der Frauen im universitären Alltag der 1970er Jahre nachzuvollziehen, lohnt sich ein Blick auf den Bielefelder Frauenkongress, der vom 30. Juni bis zum 2. Juli 1978 unter dem Titel 'Die Frau als Subjekt und Objekt der Wissenschaft' stattfand. Ein den Unterlagen des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Osnabrück entnommener Bericht liefert empirische Fakten zur Geschlechterverteilung an deutschen Universitäten: "Seit W[intersemester 19]74 hat sich der Anteil der Studentinnen an der gesamten Studentenschaft zwischen 33,2% und 33,9% im S[ommersemester 19]77 eingependelt. Frauen sind im universitären Bereich immer noch unterrepräsentiert, sowohl was den Anteil der Studentinnen angeht, als auch den Anteil der Frauen im Lehrkörper, dazu nur ein Beispiel: nur ca 3% der Professorenstellen in der BRD sind von Frauen besetzt."1

Dieser Eindruck bestätigt sich auch bei der Recherche im Niedersächsischen Landesarchiv: Frauen waren in der Gründungszeit der Universität Osnabrück vor allem im organisatorischen, verwaltungstechnischen Sektor tätig, oft als Schreibkräfte und Sekretärinnen. Ein konkretes Beispiel lässt sich dafür in den Sitzungsprotokollen des Fachbereichs 2 (Sozialwissenschaften) finden. So wurde in der Sitzung vom 24. April 1974 beschlossen, einem im Fachbereich angestellten Professor aufgrund seiner Sehnenentzündung und der daraus resultierenden Unfähigkeit zur Bedienung von Schreibmaschinen eine Stenonette aus Fachbereichsmitteln zur Verfügung zu stellen. Im Folgenden wurde zur Unterstützung auch eine Schreibkraft gesucht und zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Im Sitzungsprotokoll finden sich Formulierungen wie "auf eine Kandidatin einigen" oder "zur Auswahl einer Sekretärin"2. Es wurde also von vornherein davon ausgegangen, dass die Stelle einer Schreibkraft natürlicherweise von einer Frau besetzt werden müsse. Die Verwendung gendermarkierter Formulierungen bei den Stellenbesetzungen in den frühen Jahren der Universität ist bezeichnend: an anderen Stellen wird von "Lehrer", "Student" und "Wissenschaftler"3 gesprochen.

  1. NLA OS, Dep 106, Akz. 29/1994 Nr. 37.

  2. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/92 NR. 273.

  3. Ebd.

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Inhaltlich verantwortlich: Anna Schlutter

[1] NLA OS, Dep 106, Akz. 29/1994 Nr. 37.

[2] NLA OS, Dep 103, Akz. 41/92 NR. 273.

[3] Ebd.