Entwicklung in den Gründungsjahren
Als im Sommer des Jahres 1974 der Lehrbetrieb an der Universität Osnabrück begann, belief sich die Zahl der Studierenden auf etwa 2.700, im Wintersemester 1980/81 bereits auf 5.300.1 Der erforderliche Raumbedarf für Verwaltung, Forschung und Lehre wuchs gleichsam mit dem Ausbau und den steigenden Studierendenzahlen. Zu Beginn wurde der Raumbedarf vor allem durch die Gebäude der ehemaligen Pädagogischen Hochschule gedeckt. Zentraler Ort der Universität bildete hierbei das Osnabrücker Schloss, in welchem auch der Sitz des Präsidiums und die zentrale Verwaltung der Universität untergebracht waren. Im Bereich der Innenstadt wurde das im Jahr 1973 errichtete Erweiterungsgebäude in der Seminarstraße übernommen, ebenso wie Räumlichkeiten im ehemaligen Mädchengymnasium am Heger-Tor-Wall und die Sportanlage in der Jahnstraße.
Neben dem Innenstadtbereich belegte die Universität am Westerberg das innerhalb eines Jahres errichtete und im April 1974 fertiggestellte AVZ-Gebäude, welches zunächst die naturwissenschaftlichen Fächer der jungen Universität beherbergte. Es stellte mit 11.000m² Hauptnutzfläche das größte Gebäude der Universität Osnabrück dar.2 2015 wurde es aufgrund des beim Bau verwendeten Asbests und Mängeln im Brandschutz aufgegeben. Seither steht es leer. Als Ersatz ist ein neues Institutsgebäude am Westerberg geplant, dessen Bau im Jahr 2025 beginnen soll.3
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Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 135.↩
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Vgl. Trapp, Heinz-Wilhelm: Standort Westerberg, in: Rainer Künzel (Hrsg.): Nicht auf Sand gebaut. Beiträge zur Gründung und Entwicklung der Universität Osnabrück, Osnabrück: Meinders und Elstermann 1990, S. 79–87, hier S. 83.↩
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Vgl. Stricker, Sebastian: Zehn Jahre nach AVZ-Räumung. Uni Osnabrück baut neu am Campus Westerberg, in: Neue Osnabrücker Zeitung, 29.03.2024, URL: https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/ersatz-fuer-avz-uni-osnabrueck-baut-institutszentrum-am-westerberg-46693384 (abgerufen am: 25.10.2024).
Bereits kurz nach Beginn des Universitätsbetriebes begannen Planungen für die Erweiterung des Gebäudebestandes, da der Raumbedarf durch die Erweiterung des Lehrangebotes und den Aufbau neuer Fachbereiche weiter anstieg. Hierfür wurde auch in Innenstadtnähe nach geeigneten Standorten gesucht. Das Vorhaben wurde hierbei maßgeblich von der Stadt Osnabrück, dem Land Niedersachsen, der Universität sowie dem hiesigen Staatshochbauamt vorangetrieben.4 Die Herausforderungen, die bei den Planungen auftraten, erstreckten sich von der limitierten erwartbaren Hauptnutzfläche der Grundstücke, welche unter Umständen den Zukauf weiterer Grundstücke und den Abriss bestehender Gebäude notwendig machte, bis zu der Planung ausreichender Stellplätze für den stehenden Verkehr des Hochschulpersonals und der Student:innen.
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Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 2.↩

Entwurfzeichnung zur möglichen Erweiterung des Seminargebäudes am Heger-Tor-Wall
Quelle: NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 2.
Beispielhaft sei auf die Erweiterung der Nutzfläche des Seminargebäudes am Wall verwiesen. Die Räumlichkeiten des ehemaligen Mädchengymnasiums standen der Universität bereits bei ihrer Gründung zur Verfügung, auch wenn ein Teil der Fläche noch von der Bezirksregierung Weser-Ems genutzt wurde.5 Die Planungen für den Umbau begannen bereits Ende der 1970er-Jahre: Durch einen Ausbau beidseitig des Heger-Tor-Walls sollte das Areal des ehemaligen Kreishauses miteinbezogen werden. Die geplante Erweiterung umfasste eine Reihe von Gebäuden an der Martinistraße und der Katharinenstraße, welche nicht vollständig im Besitz der Stadt waren und mit deren Eigentümer:innen über den Erwerb durch das Land Niedersachsen verhandelt werden musste. So konnte das Gebäude an der Martinistraße 10 erst nach einer Entschädigung des Vorbesitzers erworben werden, wohingegen der Kauf eines Hauses an der Katharinenstraße 17 misslang.6

Kolumne der Neuen Osnabrücker Zeitung über die Ausdehnung der Universität im Stadtgebiet aus dem Jahr 1980
Quelle: NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 2.
Ein erster Testentwurf für das Gebiet wurde im Dezember 1979 von dem Architekten Prof. Dr. Angerer und dem Diplom-Ingenieur Feuser vorgelegt.7 Dieser Entwurf wurde auf Grundlage einer Raumplanung der Universität und baulichen Vorgaben der Stadt Osnabrück vom August desselben Jahres erstellt. Diese Raumplanung sah eine Nutzung durch 1.500 Studierende vor, wobei mit je 600 Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften gerechnet wurde, sowie 300 Studierende der Gesellschaftswissenschaften. Insgesamt wurde eine Hauptnutzfläche von 4.500qm² als notwendig erachtet.8 Angerer und Feusers Testentwurf war wiederum in verschiedenen Ausführungen konzipiert, die vor allem in der Planung der Stellplätze variierten. Zu den vorgeschlagenen Lösungen gehörten entweder ein Parkhaus oder Parkgaragen unterhalb des Seminargebäudes oder des Kreishauses. Die Planungen der Stellplätze nahmen hierbei eine nicht unbedeutende Rolle ein, da die Universität zur Bereitstellung einer Mindestzahl an Stellplätzen verpflichtet war.9
Ebenfalls wurde der Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden thematisiert, welcher in die Planungen miteinbezogen werden musste. So wurden insbesondere das Gebäude an der Martinistraße 8 sowie die der Katharinenstraße 13 und 15 als erhaltenswert bestimmt, vornehmlich die Fassaden.10 Dies wiederum führte zu Änderungen im Entwurf, der fortan die Fassaden in die geplante Gebäudestruktur übernahm, dafür aber zu weiteren Herausforderungen und einer Steigerung der Gesamtkosten führte. Zu einer Umsetzung des Erweiterungsvorhabens kam es erst Ende der 1980er-Jahre.11
Die Entwicklung des Ausbaues des Standortes Innenstadt wurde medial aufgegriffen und zog das Interesse der Osnabrücker Stadtbevölkerung auf sich. In einem Artikel der Neuen Osnabrücker Zeitung von 1980 schilderte Wendelin Zimmer die Situation der Einwohner:innen der Katharinenstraße 13, 15 und 17: Die Bewohner:innen, darunter neben Studierenden auch Familien aus der Türkei und Jugoslawien, waren unmittelbar von den Planungen betroffen, da die Universität nach Erwerb zur Kündigung der Mieter:innen gezwungen war. Rektor Manfred Horstmann bedauerte dies und bemühte sich um Ersatzwohnraum.12
Dessen ungeachtet regten die Umbaumaßnahmen Proteste an, welche sich unter anderem auch in Besetzung der Gebäude der Katharinenstraße 13 und 15 durch basiskulturelle Gruppen äußerten.13 Ebenso stoß der Abriss des Studentenwohnheimes an der Ritterstraße 10 auf großen Widerstand der Studierenden.
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Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 2.↩
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Vgl. ebd.↩
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Vgl. ebd.↩
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Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 4.↩
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Vgl. Uhrmacher, Erwin: Planung und Realisation des Innenstadtstandortes der Universität Osnabrück, in: Rainer Künzel (Hrsg.): Nicht auf Sand gebaut. Beiträge zur Gründung und Entwicklung der Universität Osnabrück, Osnabrück: Meinders und Elstermann 1990, S. 49–78, hier S. 69.↩
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Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020,123 Nr. 2.↩
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Vgl. Uhrmacher, Planung 1990, S. 49.↩
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Inhaltlich verantwortlich: Johannes Pufahl
[1] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 135.↩
[2] Vgl. Trapp, Heinz-Wilhelm: Standort Westerberg, in: Rainer Künzel (Hrsg.): Nicht auf Sand gebaut. Beiträge zur Gründung und Entwicklung der Universität Osnabrück, Osnabrück: Meinders und Elstermann 1990, S. 79–87, hier S. 83.↩
[3] Vgl. Stricker, Sebastian: Zehn Jahre nach AVZ-Räumung. Uni Osnabrück baut neu am Campus Westerberg, in: Neue Osnabrücker Zeitung, 29.03.2024, URL: https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/ersatz-fuer-avz-uni-osnabrueck-baut-institutszentrum-am-westerberg-46693384 (abgerufen am: 25.10.2024).↩
[4] Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 2.↩
[5] Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 4.↩
[6] Vgl. ebd; NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 1.↩
[7] Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 2.↩
[8] Vgl. ebd.↩
[9] Vgl. ebd.↩
[10] Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020/123 Nr. 4.↩
[11] Vgl. Uhrmacher, Erwin: Planung und Realisation des Innenstadtstandortes der Universität Osnabrück, in: Rainer Künzel (Hrsg.): Nicht auf Sand gebaut. Beiträge zur Gründung und Entwicklung der Universität Osnabrück, Osnabrück: Meinders und Elstermann 1990, S. 49–78, hier S. 69.↩
[12] Vgl. NLA OS, Dep 3c, Akz. 2020,123 Nr. 2.↩
[13] Vgl. Uhrmacher, Planung 1990, S. 49.↩


