Das Schloss der Universität Osnabrück bis heute
Aushandlungen über Räumlichkeiten für die Universität reißen nach den ersten Jahren des Bestehens nicht ab; immer wieder geriet dabei auch das Schloss in den Fokus der Diskussionen:
In den Pressemitteilungen der Universität abgedruckter Zeitungsartikel über das Schloss als Sitz der Universität
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 115.
Ende der 1980er-Jahre – die Universität ist mittlerweile seit 15 Jahren in Osnabrück und im Schloss etabliert – schien die Nutzung des Schlosses als Universitätsgebäude erneut hinterfragt zu werden. Das Osnabrücker Sonntagsblatt titelte am 19. März 1989: "Uni-Präsident Horstmann zur künftigen Gebäudenutung: 'Schloss bleibt Sitz der Universität!' Aber: im Nordflügel künftig städtische Galerie"1. In dem Zeitungsartikel heißt es, dass die Stadt Osnabrück das Schloss "langfristig allein für repräsentative Zwecke und kulturelle Veranstaltungen"2 nutzen wolle. Diesen Plänen und Wünschen der Stadt habe die Universität entschieden widersprochen. Aus mehreren Gründen wie der Bedeutung zur Außendarstellung der Universität oder auch der Identifizierung mit dem Standort sei das Schloss unverzichtbar für die Universität. "Gerade die Innenstadtlage der Universitätsgebäude mit dem Schloß als Mittelpunkt bestimme wesentlich die Attraktivität des Universitätsstandortes Osnabrück."3 Als Kompromisslösung habe die Universität angeboten, repräsentative und kulturelle Veranstaltungen der Stadt Osnabrück im Schloss stattfinden zu lassen und im Nordflügel eine Ausstellungsgalerie einzurichten. Im Gegenzug forderte sie allerdings, in Zusammenarbeit mit der Stadt nach einem zusätzlichen Gebäude für die Universität zu suchen, welches den vorher genutzten Nordflügel ersetzen solle.
Über die Nutzung des Schlosses wurde Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre allerdings nicht nur aus externer Perspektive nachgedacht und diskutiert. Auch innerhalb der universitären Verwaltung gab es erneut Aushandlungen darüber, wie das Schloss durch die Universität genutzt werden sollte.
Schreiben des Präsidenten Horstmann an verschiedene Mitarbeiter:innen über die 'Raumverteilung für die allgemeine Universitätsverwaltung im Schloß'
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 115.
Der damalige Präsident der Universität, Manfred Horstmann, wandte sich im März 1990 mit einem neuen Raumverteilungsplan an verschiedene Personen wie den Kanzler, die Dekane, aber auch die Pressestelle. Mit einem Schreiben über die 'Raumverteilung für die allgemeine Universitätsverwaltung im Schloß' informierte er über die zukünftige Belegung der verschiedenen Räume im Schloss. Dem ausgearbeiteten Belegungsplan zufolge sollten ab März 1990 im ersten Obergeschoss des Ostflügels der Präsident und der Kanzler sowie die Pressestelle der Universität, aber auch Mitarbeiter:innen der Dezernate 4 und 7 untergebracht werden. Im Westflügel sollten an der Raumverteilung im ersten Obergeschoss keine Veränderungen vorgenommen werden. Im Erdgeschoss sollte die Zentrale Studienberatung ihre Räumlichkeiten haben. Ein in dem Plan eingezeichnetes "Archiv"4 sollte in einen Kellerraum verlegt werden, was darauf hindeutet, dass der ehemalige Gestapokeller auch in den 1990er-Jahren noch als Lagerraum genutzt wurde. Der Nordflügel sollte – vermutlich aufgrund der geplanten Nutzung durch die Stadt – zunächst freigehalten werden. Im Hauptgebäude sollten Mitarbeiter:innen des Dezernats 5 sowie das "Akademische Auslandsamt"5 untergebracht werden.
Neben einzelnen Umstrukturierungen und Belegungsänderungen von Büroräumen im Schloss wurde im Sommer 1990 aber auch über die Seminarräume im Schloss verhandelt. In einer Verfügung vom 1. Juni 1990 sind alle Raumbestände der Universität im Innenstadtbereich vermerkt. Aus der Verfügung geht hervor, dass sich im Innenstadtbereich im Jahr 1990 "42 Lehrveranstaltungsräume"6 befanden, von denen sich die vier größten Räume auf das Erweiterungsgebäude und das Schloss verteilten. In der Verfügung wurde vorgesehen, dass Seminarräume im Schloss in kommender Zeit umfunktioniert werden sollten.7
Die Bedeutung des Schlosses scheint sich also in dieser Zeit noch einmal maßgeblich verändert zu haben: Während in den 1970er-Jahren noch mehrere Fachbereiche mit Räumen unterschiedlichster Funktion im Schloss untergebracht waren, kam dem Schloss in den 1990er-Jahren mehr die Funktion einer Verwaltungszentrale zu, in der sich kaum noch Seminarräume befinden.

Schreiben des Fachsprechers für Evangelische Theologie an den Präsidenten bezüglich der Folgewirkungen des Umzuges für das Institut
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 115.
Neben der Verwaltung waren in den 1990er-Jahren trotzdem noch Fachbereiche im Schloss untergebracht. 1991 musste auch die Evangelische Theologie ins Schloss umziehen, womit sich der Fachsprecher wenig zufrieden zeigte. "Der Umzug erfolgte aus nicht unser Fach, wohl aber die Raumorganisation der Universität betreffender Notwendigkeit"8, urteilte der Fachsprecher. Er wandte sich aber nicht nur mit Kritik, sondern auch einigen Wünschen an den Präsidenten. Im Schloss sollte der Evangelischen Theologie ebenso wie in ihren vorherigen Räumlichkeiten ein Fotokopierer, eine Küche und Vorhänge in den Büros bereitgestellt werden.9 Der Fachsprecher verweist an dieser Stelle auch auf einen Raum im Schloss, in dem der Kopierer aufgestellt werde könne. Allerdings habe das Fach Geschichte, welches zu der Zeit offensichtlich auch im Schloss untergebracht war und dem dieser Raum zustand, eine Mehrfachnutzung abgelehnt.10 Anfang der 1990er-Jahre wurde also nicht nur extern über das Schloss und seine Räumlichkeiten verhandelt, auch intern scheint die Nutzung von Räumen im Schloss zu Unzufriedenheiten und Aushandlungen geführt zu haben.
Heute sind im Schloss, wie noch in den 1990er-Jahren, die Leitungsebene und Verwaltung der Universität sowie die Fachbereiche Musikwissenschaften und Evangelische Theologie untergebracht. Darüber hinaus befindet sich seit 2001 die Gedenkstätte Gestapokeller im Westflügel des Schlosses. Anders als noch in den Gründungsjahren befindet sich der Allgemeine Studierendenausschuss heute nicht mehr im Schloss. Seine Räumlichkeiten wurden Ende der 1980er-Jahre ausgegliedert.11 Auch die Räumlichkeiten im Ost- und Westflügel des Schlosses haben sich stark verändert. Die anfänglich im Ostflügel untergebrachte Bibliothek hat mittlerweile eigenständige Gebäude, ebenso wie die Mensa, die in den 1970er-Jahren noch im Westflügel des Schlosses eingerichtet war. Das Schloss dient heute also sowohl als Leitungs- und Verwaltungszentrale, aber auch zur Unterbringung verschiedener Mitarbeiter:innen und Lehrräume. Ebenso ist das Schloss seit 1990 im Logo der Universität Osnabrück manifestiert.12 Die Geschichte des Schlosses hat exemplarisch gezeigt, wie stark über einen einzelnen Ort und ein einzelnes Gebäude diskutiert werden kann. Dabei wurde dem Schloss immer wieder eine wandelnde Bedeutung zugemessen. Dass das Schloss heute unabdingbar zur Universität gehört, steht außer Frage. Dass aber noch einmal Diskussionen um seine Nutzung entstehen könnten, ist vorstellbar.
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Inhaltlich verantwortlich: Lea Horstmann
[1] NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 115.↩
[2] Vgl. NLA OS, Dep 3 c, Akz. 17/1994 Nr. 1, Teil I, Blatt 132.↩
[3] Ebd.↩
[4] Ebd.↩
[5] Ebd.↩
[6] NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 116.↩
[7] Vgl. ebd.↩
[8] NLA OS Dep 103 Akz. 2009/050 Nr. 115.↩
[9] Vgl. ebd.↩
[10] Vgl. ebd.↩
[11] Vgl. Zimmer, Wendelin: Turbulente Zeiten. Ein Lesebuch zur Geschichte der Universität Osnabrück, Osnabrück: Rasch 1999, S. 104.↩
[12] Vgl. ebd., S. 109.↩


