Konfliktpotenzial Universitätsgründung

Universität und Stadt(-gesellschaft)

Die Gründung der Universität Osnabrück fügt sich ein in eine Reihe von Universitätsneugründungen in Städten ohne lange Universitätstradition. "Die neuen deutschen Regionaluniversitäten sind nicht mit ihren Sitzstädten gewachsen, sondern in sie eingepflanzt worden"1, erklärten Leonie Baumann und Raimund Wimmer 1981 in der Deutschen Universitätszeitung. Für die Bürger:innen solcher Städte waren die Neugründungen mit Ungewohntheiten und Unsicherheiten verbunden. Nur wenige von ihnen machten in der eigenen Ausbildung Erfahrungen mit dem universitären Betrieb. Daher erschien dieser oft unverständlich und lies Bürger:innen "uninteressiert, ratlos, mi[ss]trauisch oder ablehnend"2 zurück. Die Osnabrücker Bürger:innen fühlten sich den Angehörigen dieses 'Elfenbeinturms' nur wenig zugehörig und blickten mit einem gewissen Maß an Skepsis auf den Betrieb im Schloss.

"Wie vertragen sich Stadt und Uni?"3 

Diese Frage stellte sich der US-Amerikanische Gastprofessor James G. Kelly. Über sein Interesse an dieser besonderen Beziehung berichtete die Neuen Osnabrücker Zeitung im Jahr 1979. Er bewertete Osnabrück als "eine gut organisierte und geplante Durchschnittsstadt", welche über ein "tradiertes eigenes und hinreichend gefestigtes Gesicht"4 verfüge und somit zur Identitätsfindung auf eine Universität verzichten könne. Ein Grundkonflikt zwischen der traditionsverwurzelten Stadt(-gesellschaft) und der transformativen Universität sei demnach erwartbar.5 


  1. Baumann, Leonie/ Wimmer, Raimund: Eine Universität als 'Wunschkind'. Auch in der Provinz kann sich die Wissenschaft entfalten, in: Deutsche Universitätszeitung, 12. 1981, S. 414–421, hier S. 414.

  2. Ebd.

  3. NLA OS, NOZ-Archiv, Mappe "Arbeitsgruppe Stadt/Uni/FH", NOZ-Artikel vom 13.06.1979.

  4. Ebd.

  5. Vgl. ebd.

"Wie vertragen sich Stadt und Uni?", Neue Osnabrücker Zeitung, 13.06.1979
Quelle: NLA OS, NOZ-Archiv, Mappe "Arbeitsgruppe Stadt/Uni/FH", NOZ-Artikel vom 13.06.1979.

Beziehungsprobleme

Leonie Baumann berichtete in einem anlässlich des Forschungsseminars geführten Interview über ihre Arbeit als Geschäftsleiterin der 'Arbeitsgruppe Stadt/Universität/Fachhochschule' zur Zeit der Universitätsgründung in Osnabrück. Sie erklärt, dass in vielen Städten – nicht nur in Osnabrück – eine Angst vor Studierendendemonstrationen vorherrschend gewesen sei.6 Eine Umfrage von 1979 zeigte, dass viele Bundesbürger:innen das Verhältnis an den Universitäten als "voll, links und teuer"7 bewerteten. Neugegründete Universitäten wie die in Osnabrück hatten also ein Imageproblem. Angesichts der skeptischen Einstellung vieler Osnabrücker:innen, stellt sich damit die Frage nach dem Konfliktpotential, welches die Gründung der Universität für die städtische Gesellschaft mit sich brachte.

  1. Die inhaltlich Verantwortliche führte am 15. Oktober 2024 ein Telefoninterview mit Leonie Baumann. Baumann erklärte sich mit der Aufnahme des Interviews sowie der Veröffentlichung der Inhalte einverstanden.

  2. Baumann/ Wimmer, Universität 1981, S. 418.

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Inhaltlich verantwortlich: Ricarda Ahlers

[1] Baumann, Leonie/ Wimmer, Raimund: Eine Universität als 'Wunschkind'. Auch in der Provinz kann sich die Wissenschaft entfalten, in: Deutsche Universitätszeitung, 12. 1981, S. 414–421, hier S. 414.

[2] Ebd.

[3] NLA OS, NOZ-Archiv, Mappe "Arbeitsgruppe Stadt/Uni/FH", NOZ-Artikel vom 13.06.1979.

[4] Ebd.

[5] Vgl. ebd.

[6] Die inhaltlich Verantwortliche führte am 15. Oktober 2024 ein Telefoninterview mit Leonie Baumann. Baumann erklärte sich mit der Aufnahme des Interviews sowie der Veröffentlichung der Inhalte einverstanden.

[7] Baumann/ Wimmer, Universität 1981, S. 418.