Kursangebot

Die komplizierte Planung und die vielen Diskussionen des Gründungsausschusses wirkten sich auch auf das Angebot an Lehrveranstaltungen in der Einphasigen Lehrerausbildung aus. Da die Lehramtsstudiengänge im Sommersemester 1974 ohne Prüfungs- und Studienordnungen gestartet waren, standen weder die Studiendauer noch verbindliche Regelungen zu den Berechtigungen, die mit der Ausbildung erworben werden konnten, fest. Dies trug auch dazu bei, dass das konkrete Kursangebot unklar war. Im ersten Semester mussten sich Studierende an der Universität Osnabrück deswegen auf das Angebot einzelner Lehrkräfte verlassen. Für die Gültigkeit eines ordnungsgemäßen Studiums gab es Kurse, die gleichberechtigt waren, sodass auch im Sommersemester 1974 an Veranstaltungen teilgenommen werden konnte.1 Aus diesem Grund ist im entsprechenden Vorlesungsverzeichnis kein übergeordneter Punkt zur Einphasigen Lehrerbildung vorgelegt. Vergleichbar werden die Quellen somit erst ab dem Wintersemester 1974/75 beziehungsweise dem Sommersemester 1975. Hier wird erstmalig der Überpunkt "Lehramtsstudiengänge im Modellversuch"2 aufgeführt.

Inhaltlich standen in der Orientierungs- und Eingangsphase vor allem die Studienmotivation und die Vorbereitung auf die berufliche Zukunft im Vordergrund. Ziel war es, "die Situation der universitären Ausbildung; Organisation und Reform der Schulen und Hochschulen in der BRD"3 kennenzulernen. Studierende bekamen eine Einführung in die Organisationsform der berufsfeldbezogenen Studiengänge und wurden über Berufsmöglichkeiten sowie weitere Perspektiven aufgeklärt. Außerdem erlernten sie in den Kursen Methoden der empirischen Sozialforschung.4 So wurde zum Beispiel das Einführungsseminar 'Schule als Handlungsfeld des Lehrers' angeboten, in dem Studierende die Möglichkeit bekamen, eigene Unterrichtsversuche zu entwerfen. Der Kurs fand im Wintersemester 1974/75 in einem wöchentlichen Rhythmus mit bis zu fünf Doppelstunden statt und wurde durch ein Orientierungspraktikum in den Semesterferien ergänzt.5 Ein weiteres Beispiel stellt das Projekt Ausbildungssektor mit dem "Schwerpunkt: Schule als Institution"6 dar, das sich an alle Studierenden der sozialwissenschaftlichen Studiengänge richtete. In den Lehrämtern bildete das Projekt einen Teil der Orientierungs- und Eingangsphase und sollte die sozial- und erziehungswissenschaftlichen Studienanteile abdecken, für die im ersten Semester ein Zeitanteil von ungefähr 60% vorgesehen war, was in etwa drei Tage pro Woche entsprach. Damit war dieser Teil höher gewichtet als die studiengangsorientierten Einführungsveranstaltungen, für welche ein Anteil von 40%, also ungefähr zwei Wochentage, eingeplant waren.7 Das erhöhte Kursangebot im Sommersemester 1975 belegt die erhöhte Nachfrage an dem Modellversuch.8 

  1. Vgl. Wetterling: Erklärung des Fachbereichsrates im Fachbereich 3: Erziehung und Sozialisation.

  2. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1974/75, Osnabrück: 1974, S. 79–80.

  3. Ebd., S. 72.

  4. Vgl. ebd.

  5. Vgl. ebd., S. 74f.

  6. NLA OS, Dep 103, Akz. 2018/67 Nr. 7.

  7. Vgl. Universität Osnabrück, WS 1974/75 1974, S. 72.

  8. Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1975, Osnabrück: 1975, S. 7691.

Vorlesungsverzeichnis WiSe 1975:76.png

Vorlesungsverzeichnis der Einphasigen Lehrerausbildung im Wintersemester 1975/76
Quelle: Universität Osnabrück: Vorlesungsverzeichnis für das WS 1975/76, Osnabrück 1975, S. 104–105.

Im darauffolgenden Wintersemester 1975/76 waren bereits mehr Veränderungen erkennbar: Die Auswahl an Kursen erstreckte sich im Vorlesungsverzeichnis im Bereich der Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften nun über fünf Seiten und war deutlich umfangreicher als zuvor. Bei der allgemeinen Orientierungsphase standen sechs verschiedene Varianten zur Auswahl, aus denen die Studierenden wählen konnten. Diese Phase war nach wie vor obligatorisch und umfasste sechs bis acht Stunden pro Woche. Ergänzend absolvierten Studierende des zweiten und dritten Semesters weiterhin das Projekt Ausbildungssektor. Auch hierbei war das Angebot mit einer Auswahl von nunmehr 14 Kursen vielfältiger als im vorherigen Semester. Im Vorlesungsverzeichnis fand sich ergänzend zu den einzelnen Veranstaltungen nun eine thematische Beschreibung. Inhaltlich konnten sich Studierende beispielsweise zwischen Themen wie 'Schule als Institution', 'Ausbildung und Schule' oder 'Analyse und Planung von Unterricht' entscheiden. Ab dem zweiten Semester wurden Veranstaltungen mit berufspraktischen Ausbildungsanteilen angeboten, was charakteristisch für das praxisnahe Studium war.9 Weitere lehramtsbezogene Kurse setzten sich mit Themen wie 'Schule und Erwachsenenbildung', 'Schul- und Bildungsrecht: Schule als rechtliches Konfliktfeld' und 'Einführung in die Psychologie II' auseinander.10 Deutlich wird, dass Studierende zunehmend mehr Möglichkeiten bekamen, Kurse nach ihren Interessen zu wählen und eigenständig Schwerpunkte zu setzen. Auch das Lehrangebot in den Bezugswissenschaften der Schulfächer gestaltete sich mit insgesamt 18 Seiten für alle Lehramtsfächer sehr umfangreich.11 

Die Planung der Einphasigen Lehrerausbildung konkretisierte sich mit der Zeit, sodass im Vorlesungsverzeichnis des Sommersemesters 1976 die Studienabschnitte und Ziele des Modells detaillierter ausformuliert waren.12 Im Rahmen der Orientierungsphase gab es zu diesem Zeitpunkt sieben Kurse zur Auswahl. Thematisch ähneln die Kursbeschreibungen denen des vorherigen Semesters, sodass bei der Lehre erneut der Themenkomplex 'Schule als Handlungsfeld des Lehrers' im Mittelpunkt stand. In dem Projektbereich Ausbildungssektor konnte aus zehn verschiedenen Varianten gewählt werden. Im Modul der Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften wurde die Veranstaltungsanzahl von 29 auf 35 erhöht. So wurden beispielsweise die Kurse 'Grundkurs Statistik', 'Lernen von Konzepten und Regeln' sowie 'Analyse empirischer Arbeiten aus der Sozialpsychologie' neu geschaffen.13 

  1. Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1975/76, Osnabrück: 1975, S. 104108, 170–171.

  2. Vgl. ebd., S. 107–108.

  3. Vgl. ebd., S. 109126.

  4. Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1976, Osnabrück: 1976 S. 4142.

  5. Vgl. ebd., S. 113118.

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Inhaltlich verantwortlich: Larissa Cleff, Philine Rohling

[1] Vgl. Wetterling: Erklärung des Fachbereichsrates im Fachbereich 3: Erziehung und Sozialisation (Seite / Universität / Vorname alles fehlt).

[2] Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1974/75, Osnabrück: 1974, S. 79–80.

[3] Ebd., S. 72.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. ebd., S. 74f.

[6] NLA OS, Dep 103, Akz. 2018/67 Nr. 7.

[7] Vgl. Universität Osnabrück, WS 1974/75 1974, S. 72.

[8] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1975, Osnabrück: 1975, S. 7691.

[9] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1975/76, Osnabrück: 1975, S. 104108, 170171.

[10] Vgl. ebd., S. 107108.

[11] Vgl. ebd., S. 109-126.

[12] Vgl. Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis SS 1976, Osnabrück: 1976, S. 4142.

[13] Vgl. ebd., S. 113118.