Wir brauchen Platz! Die Heinrichstraße 28–30 als vorläufige Bibliothek

Maklerfotos Heinrichstraße 30 als Beigabe zum Angebot des Gebäudes an die Pädagogische Hochschule Osnabrück, 1970
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 7.

Lageplan der provisorischen Bibliothek, 1971
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 167.

Ausbauplanung Heinrichstraße 30, angefertigt durch das Staatshochbauamt Osnabrück im Auftrag der Pädagogischen Hochschule
Quelle: NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 7.
Der Gründungsausschuss der Universität Osnabrück erkannte schnell, dass sich in der Stadt kein bestehendes Gebäude finden würde, das alle Anforderungen einer modernen Universitätsbibliothek erfüllt. Ebenso wenig kamen die Räumlichkeiten der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule infrage, da diese nur aus wenigen Räumen bestand. Es wurde daher schon früh geplant, die Bibliothek bis zur Errichtung eines adäquaten Neubaus interimsweise unterzubringen.1
Durch die Presse erfuhr ein Osnabrücker Maklerbüro von den Plänen, eine Universität in der Stadt zu gründen und bot dem Land 1971 ein Büro- und Lagergebäude in der Heinrichstraße 28–30 an. Das Staatshochbauamt empfahl der Pädagogischen Hochschule und dem Kultusministerium die Nutzung als vorläufige Unterbringung der Bibliothek nach einer Überprüfung des Gebäudes. Nach der Genehmigung aller zuständigen Stellen konnte der Mietvertrag zum 16. August 1971 geschlossen werden, mit einer Mindestmietdauer von fünf Jahren und einer optionalen Verlängerung um weitere fünf Jahre.2
In den folgenden Monaten wurde das Gebäude auf Beschluss der Pädagogischen Hochschule umgebaut: Es erfolgte der Einbau einer Luftbefeuchtungsanlagen, die Erweiterung des vorhandenen Rohrpostsystems, das Verlegen von Telefonanschlüssen, der Bau von Sanitäranlagen, die Einrichtung von Büros und die Entfernung von Trennwänden.3
Um schließlich aus dem Gebäude eine funktionsfähige Bibliothek zu machen, mussten Bücher gelagert werden können. Dazu wurde im Keller, Erdgeschoss und im zweiten Obergeschoss ein Magazin mit Kompaktanlagen und im ersten Obergeschoss eine Freihandbibliothek mit Zeitschriftenapparat eingebaut. Die Ausleihe, eine Garderobe und der Katalog befanden sich im ersten Obergeschoss, die Poststelle und Fernleihe im Erdgeschoss. Insgesamt wurde anfangs mit einem Fassungsvermögen von circa 10.000 Stellmetern für insgesamt 300.000 Bänden gerechnet, davon 122 Stellmeter für Zeitschriften. Die Kosten für den Umbau und die Einrichtung betrugen circa 500.000 DM.4
Im Nebengebäude befanden sich Büros für die Verwaltung und sonstige Räume für den Betrieb und die Verwaltung der Bibliothek. Aus Platzgründen wurden diverse weitere Teile des Gebäudekomplexes in der Heinrichstraße angemietet: 1974 im selben Gebäudeteil, Anfang 1975 die Souterrain-Wohnung in Nummer 29 und ein Jahr später die Lagerhalle in der Heinrichstraße 30. Ende 1975 wurde mit der Lagerhalle in der Lange Straße 15–17 bereits ein angrenzendes Gebäude angemietet. Neben weiteren Magazinen und Freihandmagazinen für mindestens 250.000 Bände wurden weitere Lesesäle, Büros und Lagerflächen geschaffen.5
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Inhaltlich verantwortlich: Benjamin Look
[1] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 360.↩
[2] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 7; NLA OS, Dep 103, Akz. 2009/050 Nr. 167.↩
[3] Vgl. ebd.↩
[4] Vgl. NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 10; NLA OS, Dep 103, Akz. 2019/116 Nr. 17; NLA OS, Dep 103, Akz. 41/1992 Nr. 296.↩
[5] Vgl. ebd.↩

