Was ist die ELAB?
Um näher auf die Umsetzung und die Herausforderungen im Kontext der Einphasigen Lehramtsausbildung einzugehen, werden vorerst alle grundlegenden Aspekte und Strukturen des Modells beleuchtet, wie sie in dem Entwurf zur Prüfungsordnung von 1975 beschrieben wurden.
Die Einphasige Lehrerausbildung war darauf ausgerichtet, die Trennung von Theorie und Praxis in der Lehrerkräftebildung aufzuheben. Für eine kontinuierliche Eingliederung der angehenden Lehrkräfte in die schulische Praxis bereits während des Studiums wurden semesterbegleitende Praxisphasen in den Lehrplan integriert.1 Die Aufteilung der Lehrkräftenbildung in die zwei Phasen des Studiums und des Referendariats wurde damit abgelöst.2 Neben der Verbindung von Theorie und Praxis lagen die Vorteile des einphasigen Modells darin, dass weder eine Isolation noch eine Abhängigkeit von den Seminarleitern riskiert wurde. Ein weiterer als positiv eingeordneter Faktor war die Möglichkeit das Studium in Form von Projekten zu organisieren.3
Während des Studiums war die enge Kooperation zwischen Universität und Schule ein wichtiger Aspekt der Einphasigen Lehrerausbildung. Durch diese Zusammenarbeit sollte die universitär-theoretische Ausbildung stärker auf die schulpraktischen Anforderungen auszurichten. Umgesetzt wurde dies im Modellversuch mit Hilfe von sogenannten 'Kontaktlehrern' – qualifizierte Lehrkräfte, die gemeinsam mit den Hochschullehrkräften die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der berufspraktischen Vorhaben betreuten. Sie bildeten damit die Schnittstelle zwischen Schule und Universität sowie zwischen Praxis und Theorie.4
Das Ausbildungsmodell wurde im Rahmen von Projekten durchgeführt, die zeitlich etwa die Hälfte der Studienzeit umfassten. Dadurch sollten sich die inhaltlichen Studienabschnitte und die berufspraktischen Sequenzen gegenseitig ergänzen. Der gesamte Ausbildungsgang beinhaltete drei Komponenten:
- Studien im erziehungs- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich,
- Studien in zwei Fächern sowie
- berufspraktische Studien und Tätigkeiten.5
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Vgl. Kriszio, Marianne/ Steinbrink, Ulrich: Modellversuch Einphasige Lehrerausbildung an der Universität Oldenburg. Selbstkritisches Resümee eines Experiments, in: Zeitschrift für Pädagogik, 26. 1980, H. 4, S. 559–580, hier S. 563–565.↩
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Vgl. Horstmann, Manfred: Osnabrücker Universitätszeitung Jahrgang/WS 1974/75. Schwerpunkt: Modellversuch Lehrerausbildung "Aktiv an der Diskussion beteiligen", 1. 1974, S. 11.↩
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Vgl. Bürmann, Ilse: Einphasige Lehrerausbildung an der Universität Osnabrück. Probleme des Reformprozesses und Erfahrungen mit Lehrveranstaltungen im ersten Studienabschnitt, Hamburg: Arbeitsgemeinsch. f. Hochschuldidaktik e.V. 1976; NLA OS, Dep 103, Akz. 2006/029 Nr. 31 Band 1.↩
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Vgl. Kriszio/ Steinbrink, Modellversuch 1980, S. 4.↩
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Döbrich, Peter/ Kodron, Christoph/ Mitter, Wolfgang: Einphasige Lehrerausbildung in Oldenburg. Gutachten für die Universität Oldenburg, Oldenburg: Univ., Zentrum für Pädag. Berufspraxis 1981, S. 95; Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1975/76, Osnabrück: 1975, S. 170.↩
Die Einphasige Lehrerausbildung gliederte sich in drei Studienabschnitte: vom ersten bis zum dritten Semester, vom vierten zum siebten Semester sowie die finalen zwei Semester. Studierende für die Sekundarstufe II mussten während des dritten Studienabschnitts eine zweisemestrige fachwissenschaftliche Erweiterungsphase absolvieren, sodass sich in diesem Fall das Studium um zwei Semester verlängerte.6 Die Ausbildung erfolgte für die verschiedenen Schulformen größtenteils einheitlich, sodass sich Studierende erst nach dem vierten oder spätestens nach dem sechsten Semester für eine Schulform entscheiden mussten.7
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Vgl. Amman, Wiebke et. al.: Einphasige Lehrerausbildung. Planungen und Daten zur 2. Erprobungsphase des Reformvorhabens (Materialien zur Kooperation zwischen Schule und Universität, Bd. 5), Oldenburg: Zentrum für Pädagogische Berufspraxis 1976, S. 9–11.↩
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Vgl. Horstmann, Universitätszeitung 1974, S. 12.↩

Gewichtung der Studienanteile in der Einphasigen Lehrerausbildung
Quelle: Vgl. Amman, Wiebke et. al.: Einphasige Lehrerausbildung. Planungen und Daten zur 2. Erprobungsphase des Reformvorhabens (Materialien zur Kooperation zwischen Schule und Universität, Bd. 5), Oldenburg: Zentrum für Pädagogische Berufspraxis 1976, S. 11.
Die einzelnen Studienabschnitte unterschieden sich hinsichtlich ihrer Ausbildungsziele wie folgt:
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- Studienabschnitt: Orientierungs- und Eingangsphase (1.–3. Semester)
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- Einführung in das fachwissenschaftliche Studium,
- Informationen zum Aufbau und den angebotenen Veranstaltungen,
- Erläuterung der Perspektiven und dem sozialen Bezugsfeld des Berufes,
- zwei vierwöchige schulische und außerschulische Praxisbereiche,
- erste Praxisanteile der Ausbildung, noch keine eigene Unterrichtstätigkeit.
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- Studienabschnitt: Rekonstruktionsphase (4.–7. Semester)
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- Schwerpunkt auf der fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Ausbildung,
- sechswöchige Praxissequenz in jeweils einem Fach.
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- Studienabschnitt: Evaluationsphase (8.–9. Semester)
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- Fachlich-schulstufenspezifische Vertiefung
- berufspraktische Einführung,
- Aneignung der Rolle als Lehrkraft,
- unterrichtspraktisches Halbjahr in der Schule.
Allen drei Teilen waren als integrierte Bestandteile längere Praxisphasen zugeordnet, was einen entscheidenden Unterschied zur Zweiphasigen Lehramtsausbildung darstellt. Für den ersten Studienabschnitt waren insgesamt acht bis zehn Wochen, für den zweiten und dritten Studienabschnitt insgesamt 28 Wochen als praktische Unterrichtstätigkeit vorgesehen, sodass die Praxisphasen insgesamt ein Schuljahr à 36 bis 38 Wochen umfassten.8
Die Einführung der Einphasigen Lehrerausbildung stellte einen bedeutenden Teil des Reformkonzepts dar, das an der Universität Osnabrück realisiert wurde. Im Wintersemester 1974/75 waren ungefähr 70% der neuen Studierenden für den Lehramtsstudiengang immatrikuliert.9
Entwurf einer Prüfungsordnung für die Einphasige Lehrerausbildung im Land Niedersachsen (1975)
Quelle: O. A.: Entwurf einer Prüfungsordnung für die Einphasige Lehrerausbildung im Land Niedersachsen. In: Amtliches Mitteilungsblatt der Universität Osnabrück, 2. 1975, S. 30–45.
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Inhaltlich verantwortlich: Philine Rohling, Larissa Cleff, Lisa Gödiker
[1] Vgl. Kriszio, Marianne/ Steinbrink, Ulrich: Modellversuch Einphasige Lehrerausbildung an der Universität Oldenburg. Selbstkritisches Resümee eines Experiments, in: Zeitschrift für Pädagogik, 26. 1980, H. 4, S. 559–580, hier S. 563–565.↩
[2] Vgl. Horstmann, Manfred: Osnabrücker Universitätszeitung Jahrgang/WS 1974/75. Schwerpunkt: Modellversuch Lehrerausbildung "Aktiv an der Diskussion beteiligen", 1. 1974, S. 11.↩
[3] Vgl. Bürmann, Ilse: Einphasige Lehrerausbildung an der Universität Osnabrück. Probleme des Reformprozesses und Erfahrungen mit Lehrveranstaltungen im ersten Studienabschnitt, Hamburg: Arbeitsgemeinsch. f. Hochschuldidaktik e.V. 1976; NLA OS, Dep 103, Akz. 2006/029 Nr. 31 Band 1.↩
[4] Vgl. Kriszio/ Steinbrink, Modellversuch 1980, S. 4.↩
[5] Döbrich, Peter/ Kodron, Christoph/ Mitter, Wolfgang: Einphasige Lehrerausbildung in Oldenburg. Gutachten für die Universität Oldenburg, Oldenburg: Univ., Zentrum für Pädag. Berufspraxis 1981, S. 95; Universität Osnabrück: Personal- u. Veranstaltungsverzeichnis WS 1975/76, Osnabrück: 1975, S. 170.↩
[6] Vgl. Amman, Wiebke et. al.: Einphasige Lehrerausbildung. Planungen und Daten zur 2. Erprobungsphase des Reformvorhabens (Materialien zur Kooperation zwischen Schule und Universität, Bd. 5), Oldenburg: Zentrum für Pädagogische Berufspraxis 1976, S. 9–11.↩
[7] Vgl. Horstmann, Universitätszeitung 1974, S. 12.↩
[8] Vgl. Döbrich/ Kodron/ Mitter, Lehrerausbildung 1981, S. 54; Horstmann, Universitätszeitung 1974, S. 11–12.↩
[9] Vgl. Horstmann, Universitätszeitung 1974, S. 11.↩

